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Der Einsatz

 

         Die Tage vergehen. Volgat lebt zusammen mit Xilin und Nadjan. Es ist eine schöne Zeit für ihn. Dann aber holt ihn die Realität ein. Es ist Nachmittags, da klingelt es an der Tür. Xilin geht und öffnet, es stehen zwei Männer in dunklen Anzügen vor der Tür und wollen Volgat sprechen. Xilin bittet sie in das Wohnzimmer und sagt ihm bescheid. Er geht überrascht über diesen Besuch in das Wohnzimmer, die beiden Männer haben sich bereits gesetzt.

„Nun, da bin ich. Darf ich fragen, wer ihr seid?“

„Hallo Volgat. Wir sind Agenten für interne Angelegenheiten der Sonic Comunity. Wir sind gekommen um mit dir zu reden. Du bist ja nun ein Kriegsheld auf der ganzen Raumstation, wir wissen bescheid, du verstehst?“

         Volgat zuckt zusammen. Die ersten Menschen seit Monaten, die ihn auf die Raumstation ansprechen. Was werden diese Männer von ihm wollen?

„Ich verstehe. Ihr wisst bescheid. Ihr wisst auch, dass der Film, den ich jetzt gedreht habe frei erfunden ist. Es ist eine Lüge, vielleicht foltern die Kommunisten, vielleicht auch nicht.“

„Sie foltern ganz gewiss, mein Freund aber darum geht es hier nicht. Das sind nicht unsere Probleme. Also gut, du bist auf der Raumstation gewesen, du hast gegen die Borbohnen gekämpft und Volgat, nun kommt der entscheidende Punkt: Du und Hardy, ihr seid ihre ersten Gefangenen gewesen und du bist der erste Mensch, der aus ihrer Gefangenschaft entkommen ist. Du bist etwas besonderes. Du allein hast Erfahrungen mit den Borbohnen gesammelt, du allein kennst sie nun. Das macht dich zu einem interessanten Mann für die Sonic Comunity.“

„Kommt zum Punkt. Was genau wollt ihr?“

„Du weist, dass die Sonic Comunity von Oberen geleitet wird?“

„Sicher weiß ich das. Ich würde sie gerne einmal kennen lernen. Es interessiert mich, was das für Menschen sind.“

„Gut, deswegen sind wir hier. Einige der Oberen wollen dich sprechen. Sie wollen wirklich mit dir reden, weißt du, was das für eine Ehre für dich ist? Unsere Obersten, die Köpfe der Comunity, sie lassen sich dazu herab mit dir zu kommunizieren. Wenn du mich fragst, auch wenn du ein Kriegsheld bist, du bist es nicht würdig mit ihnen zu reden.“

„Dich fragt aber keiner, oder? Also gut, sie wollen mit mir reden. Ich bin gespannt. Haben sie Paläste oder Festungen? Wie leben unsere Obersten?“

„Das tut nichts zur Sache, noch nicht. Du wirst dich mit ihnen in freier Natur treffen. Wir haben da unsere Plätze, an denen wir verkehren. Halte dich morgen gegen zehn Uhr bereit. Eine Limousine wird kommen und dich abholen. Und vergiss nicht, es sind unsere Obersten. Du wirst dich ihnen gegenüber respektvoll verhalten, hast du das verstanden?“

„Ja sicher doch. Ich bin doch nicht doof oder so. Also dann bis morgen.“

         Volgat geleitet die beiden Agenten hinaus, da meldet sich die Stimme.

„Volgat, wir nähern uns unserem Ziel. Sie werden mit dir reden aber du kannst die Bombe nicht einsetzen. Sie würde mitten in der Natur detonieren nachdem ihr dort alle wieder weg wärt, ohne dass es etwas bringen würde. Dennoch nimmst du die Bombe mit, vielleicht fahren sie dich zu einem geeigneten Ort. Wir werden den Obersten der Comunity nun gegenüber treten. Sie sind unsere waren Feinde, wenn sie sterben, dann werden wir Frieden finden. Wir werden endlich Frieden finden.“

         Volgat weiß, dass sie seine Gedanken nicht lesen können. Also spricht er laut, auch wenn er völlig alleine ist.

„Sicher, ich treffe sie jetzt, es wird sich eine Möglichkeit finden lassen. Ich kann die Bombe vielleicht in ihr Auto legen.“

„Nicht, wir wollen nicht einen oder zwei, wir wollen sie alle.“

         Volgat schliesst die Haustür, er geht zu Xilin. Sie sieht ein wenig fern und kümmert sich dabei um Nadjan. Volgat leistet ihr Gesellschaft.

 

         Es ist morgens, Volgat ist zusammen mit Xilin aufgestanden. Sie haben gefrühstückt und Volgat räumt den Tisch ab und beginnt zu spülen. Bis zehn Uhr bleibt ihm noch ein wenig Zeit. Dann aber ist es soweit. Er hat sich seine guten Sachen angezogen und hat sich parfümiert. Die Türschelle geht, es ist die Limousine. Xilin steht mit ihm in der Tür und verabschiedet sich von ihm.

„Wie ich dich beneide, Volgat. Du darfst unsere Oberen kennen lernen. Ich wäre so gerne dabei, ich würde alles dafür tun um mit zu kommen.“

„Sicher, Xilin aber wer weiß, was sie von mir wollen. Ich muss los.“

         Volgat setzt sich in die Limousine. Sie ist geräumig. Im Innern erwartet ihn der Agent vom Vortag. Volgat begrüßt ihn flüchtig.

„Hallo Volgat, möchtest du etwas trinken, eine Limo?“

„Sicher, wäre nicht schlecht. Ihr habt hier einen Kühlschrank? Auch einen Fernseher sehe ich. Wo ist die Toilette?“

         Der Agent lacht kurz auf.

„Eine Toilette haben wir hier leider noch nicht. Aber ansonsten sind wir gut versorgt. Ich kann dich bewirten und unterhalten. Möchtest du deinen Film sehen? Er ist noch nicht ganz fertig, die Actionzehnen brauchen noch ein wenig aber die Handlung ist komplett.“

„Du hast den Film jetzt schon? Das ist nicht möglich.“

„Doch sicher, ich bin ein Agent. Ausserdem wollten unsere Oberen ihn sehen. Sie interessieren sich anscheinend dafür. Also gut, ich stelle den Fernseher an.“

         Der Agent holt eine DVD und schiebt sie ein, der Film beginnt. Volgat ist erschüttert, der Film ist richtig professionell gemacht. Er glaubt es kaum, er erscheint auf dem Monitor und die Story beginnt. Volgat sitzt wie gebannt vor dem Fernseher und sieht sich den Film an. Es ist ein bedeutendes Erlebnis für ihn, sich so zu sehen. Er sieht richtig gut aus, der Film ist gut geschnitten. Manchmal holpern die Übergänge etwas, da noch Zehnen fehlen aber das wird noch nachgeliefert. Dann endlich sind sie fertig. Der Agent blickt ihn musternd an.

„Das war also der Film zum Film, wollen wir uns nun den richtigen Film ansehen? Den Film von der Raumstation, von deiner wirklichen Entführung?“

         Volgat zuckt zusammen. Er hat den Streifen bis jetzt noch nicht gesehen. Er hat zwar eine Vorstellung von diesem Film aber wie die Effekte sind, das würde er doch gerne wissen. Er nickt. Der Agent geht mit der Fernbedienung in ein Menü vom DVD Player und tippt einen Code ein. Er spielt dieselbe DVD noch einmal ab aber dieses mal ist es ein anderer Film, der beginnt. Es ist der Film, den er auf der Raumstation gedreht hat. Der Film ist düster, immer wieder scheint es an Beleuchtung zu fehlen. Nur die Personen im Vordergrund sind ausgeleuchtet. Volgat sieht sich dabei zu, wie er auf der Raumstation lebt, wie er Einsätze fliegt und dann abgeschossen wird. Nun beginnen seine Lügen, er wird gefoltert und misshandelt, dann aber kann er entkommen und gelangt zurück zur Raumstation. Er verrät den Zerstörer so dass dieser vernichtet wird und ist ein Held. Der Film wirkt auf ihn nicht wirklich, er weiß ja, wie es wirklich war. Die Borbohnen haben sich ihm gegenüber sehr gut verhalten. Sie waren nicht nur zivilisiert sondern auch höflich. Für diese Leute befindet er sich nun hier auf geheimer Mission, die Bombe hat er in einer Tasche dabei, er kann sie jederzeit platzieren, aktiviert wird sie dann aus dem Weltall. Wie sehr er den Borbohnen doch traut, sie könnten ihn jederzeit in die Luft sprengen, sobald er auf die Oberen der Sonic Comunity trifft aber er ist sich sicher, dass sie das nicht tun werden.

         Der Film ist vorbei, der Agent schaut ihn wieder erwartungsvoll an.

„Ich weiß nicht genau warum aber diese Filme sind der Grund, weswegen die Oberen mit dir reden wollen. Es geht um diese Filme, die du gedreht hast, sie haben ihre Aufmerksamkeit erregt. Vielleicht weist du ja warum sie mit dir reden wollen. Sag es mir, ich bin zu neugierig.“

         Volgat zuckt zusammen. Es geht um die Filme. Sie werden doch wohl nicht wissen, dass er ihnen allen nur etwas vormacht, wie werden es doch wohl nicht wissen, dass er nun für die Borbohnen arbeitet? Es ist ihm so, als würde er schwitzen, das darf aber nicht sein.

„Ich, ich weiß nicht. Vielleicht wollen sie mir, dem Kriegshelden auch nur gratulieren. Immerhin bin ich der einzige, der die Gefangenschaft bei den Borbohnen überlebt hat.“

„Nein, das ist es nicht, da bin ich mir sicher. Aber weist du was? Ich denke, dass du etwas weist, was du nicht sagst, was denkst du? Willst du es mir nicht doch verraten? Es interessiert mich wirklich.“

         Volgat wischt sich über die Stirn. Eine flüchtige Panik ergreift ihn.“

„Ich weiß nicht wovon du redest.“

„Also nicht. Gut, vielleicht werde ich es ja doch noch erfahren. Also gut, wir sind gleich da. Noch irgendwelche letzten Wünsche vor dem Treffen?“

         Volgat schüttelt den Kopf. Auf dem Rest der Fahrt schweigen sich die beiden an. Sie fahren durch einen Wald und erreichen dann offenes Gelände. Sie sind da, die Limousine hält bei zwei anderen Limousinen. Der Agent bittet Volgat nun aus zu steigen. Er tut es und dann öffnet sich auch die andere Limousine. Es steigen zwei Männer aus. Sie wirken sehr elegant, sie werden ca. 50 sein, der eine hat leicht ergraute Haare, der andere hat ein etwas faltiges Gesicht. Sie sehen ihn nun an, sie mustern ihn einen Augenblick, der erste der beiden kommt auf ihn zu, er gibt ihm nicht die Hand.

„In der Tat, du bist der Schauspieler aus den Filmen. Du bist derjenige, den die Borbohnen gefangen genommen haben. Du wirst dich nun fragen, wer wir sind aber ich versichere dir, das tut nichts zur Sache. Es genügt, dass du weist, dass wir zu den obersten der Comunity gehören. Also komm, las uns einen Sparziergang machen.“

         Die beiden Fremden nehmen Volgat in die Mitte und sie schlendern los. Hinter der Wiese liegt ein Gewässer, Volgat kann einige Schwäne und Enten aus machen. Der Zweite Mann ergreift nun das Wort.

„Also Volgat, wir brennen darauf, dich kennen zu lernen. Du kannst dir bestimmt denken, dass dieses Interesse an deinen Filmen liegt, die du gedreht hast. Wirklich sehr beeindruckend, was du durchlebt hast. Wirklich, sie haben dich also gefoltert? Unsere Propagandisten waren nicht überrascht, sie glauben inzwischen schon selber, was sie erzählen.“

         Der Erste fährt fort.

„Also Volgat, pass einmal auf. Wir sind die Obersten, wir wissen bescheid, verstehst du? Wir wissen, dass es nicht so gewesen ist, wie du es auf der Station erklärt hast. Wir können uns aber vorstellen, wie es gewesen ist, wir kennen die Borbohnen. Wir sind dabei gewesen, als die Menschen auf sie gestoßen sind. Wir waren in den ersten Jahren dabei, als wir mit ihrer Hilfe die Raumstation bauten. Wir waren dabei, als der Krieg begann. Also lüg uns gefälligst nicht an, wenn du leben willst. Sag uns die Wahrheit, erzähle uns, wie es wirklich gewesen ist.“

         Volgat schluckt, damit hatte er nicht gerechnet. Die Stimme in seinem Kopf ertönt zum Glück.

„Volgat, keine Panik. Erzähl ihnen, wie es gewesen ist aber sag, dass es ein Zufall war, dass wir dich gefangen nahmen. Wir wollten Freundschaft schliessen aber du wolltest das nicht annehmen. Du bist geflohen und hast nur das erzählt, was alle hören wollten. Das ist alles.“

         Der Zweite stösst ihn an.

„Wird’s bald? Erzähle uns, wie es gewesen ist. Lasse kein Detail aus.“

„Also gut, es war nicht ganz die Wahrheit. Sie haben uns abgeschossen. Die feindlichen Piloten waren jung und übermütig, es war ihr erster Kampfeinsatz. Da haben sie uns auch noch die Rettungskapsel zerschossen und ich und Hardy mussten notlanden. Wir sind dann beide von den Borbohnen aufgegriffen worden, sie haben uns aber kein Leid zugefügt. Das habe ich alles erfunden, da man das und nicht die Wahrheit hören will.“

         Der erste fordert Volgat auf, weiter zu reden.

„Gut, ist ja schon gut. Wir waren dann auf diesem Planeten aber die Borbohnen befanden, dass das zu gefährlich für uns sei und haben einen Zerstörer gerufen, mit dem sie uns dann fort schaffen wollten. Sie haben sogar unsere Sprache gesprochen. Sie haben mit uns gesprochen und wollten sich mit uns anfreunden. Ich war natürlich geschockt, dass sie mit mir reden, dass sie meine Freundschaft wollten. Immerhin sind wir doch Feinde, da gibt es keine Freundschaft. Also führten sie irgendetwas im Schilde, davon war ich schnell überzeugt und blieb misstrauisch. Ich habe mich nicht auf sie eingelassen. Auch Hardy war zuerst misstrauisch aber dann hat er gesagt, dass die Borbohnen doch eigentlich ganz nett seien und dass wir ihnen doch trauen könnten. Er ist dann umgekippt und hat sich auf sie eingelassen, ich aber nicht. Ich blieb hart, ich habe ihnen nicht getraut. Ich bin mir noch immer sicher, dass sie irgendetwas von mir wollten. Dann aber wurden sie unachtsam, sie haben mich nicht mehr richtig bewacht und weg gesperrt. Ich sah meine Chance und habe sie genutzt. Ich bin zu den Hangars und habe mich in einen Kampfjet geschlichen. Als sie den Hangar dann geöffnet haben bin ich geflohen. Sie kamen nicht schnell genug hinter mir her. So bin ich entkommen. Das ist die ganze Wahrheit.“

         Der zweite Obere meldet sich zu Wort.

„Und dann hast du einfach so behauptet, dass sie dich gefoltert und misshandelt haben? Du hast ihren Zerstörer an uns ausgeliefert und damit den Tod von Hardy in Kauf genommen?“

„Nein, Hardy befand sich meines Erachtens nach nicht mehr auf dem Zerstörer. Und ja, ich habe dann einfach so behauptet, dass sie mich gefoltert haben. Ich dachte, dass es das ist, was alle von mir hören wollen und das habe ich ihnen dann halt erzählt. Es stimmt zwar nicht aber macht das einen Unterschied? Die Borbohnen hatten irgendetwas mit mir vor, da bin ich mir sicher. Sie wollten vermutlich mein Vertrauen gewinnen, damit ich unsere Jungs danach verrate. Vielleicht haben sie das bei Hardy geschafft.“

         Der erste redet.

„Pass mal auf, Volgat. Wir führen Akten über jeden auf der Raumstation. In deiner Akte steht, dass du an dem Krieg gegen die Borbohnen zweifelst. Du hast es hinterfragt, dass wir gegen sie kämpfen. Versuche es nicht zu leugnen, wir hören einige eurer Gespräche mit. Die ganze Raumstation ist verwanzt. Wir wissen also über dich bescheid. Wie kommt es dann dazu, dass Hardy, der die Borbohnen wirklich hasst sich nun auf ihre Seite schlägt und ausgerechnet du, der den Krieg hinterfragt hat stellst dich nun gegen das Freundschaftsangebot der Borbohnen und behauptest, dass sie dich gefoltert haben. Ausgerechnet du stellst dich nun gegen sie, wie kann das?“

„He, das ist anders als ihr denkt. Ich bin kein Freund der Borbohnen. Ich will nur nicht gegen sie kämpfen müssen. Ich will kein Soldat sein. Ansonsten sind mir die Borbohnen doch total egal. Meinetwegen können sie ruhig alle verrecken, wenn dann nur dieser Krieg vorbei ist und ich nicht mehr gegen sie kämpfen muss. Ich weiß auch nicht, was mit Hardy los ist, weswegen er sich von ihnen rum kriegen läst. Er ist halt labil, er ist umgekippt. Ich aber habe erkannt, dass diese Kreaturen irgendetwas im Schilde führen, sie wollten uns zu irgendetwas benutzen. Ich lasse mich aber nicht gegen meine eigenen Leute benutzen, ich nicht. Ich habe das nicht mitgemacht, ich bin geflohen, sobald sich mir die Gelegenheit geboten hat.“

         Der erste redet weiter.

„Gut Volgat. Wir wollen dir für den Moment einmal glauben. Aber eines glauben wir nicht. Es war kein Zufall, dass du den Borbohnen entkommen bist. Sie haben dir die Flucht erlaubt, verstehst du? Sie haben sie dir absichtlich ermöglicht und das hat einen gewissen Zweck. Volgat, wir vermuten, dass die Borbohnen dich bereits die ganze Zeit über benutzen ohne dass du es weist. Die andere Möglichkeit wäre jedoch, dass du es weist und bewusst für sie arbeitest. Willst du dich dazu rechtfertigen?“

„Ich? Für die Borbohnen? Wisst ihr, wie die stinken? Und dann dieses Gegrunze, das deren Sprache ist. Es ist wirklich widerlich. Niemals würde ich für diese unkultivierten Kreaturen arbeiten. Dazu würde ich mich nicht herab lassen.“

„Also gut Volgat. Nehmen wir also an, dass du es nicht weist aber sie benutzen dich jetzt in diesem Augenblick, da sind wir uns sicher. Volgat, sie haben dich verwanzt. Weist du, was das heißt?“

         Panik steigt in Volgat auf. Sie wissen es, sie wissen nicht alles aber sie wissen genug. Was soll er nun machen? Die Stimme ertönt.

„Ruhig Volgat. Sie können die Apparatur an deinem Auge nicht feststellen. Keine Angst. Wir haben das alles vorhergesehen, unsere Technik ist sicher.“

         Volgat atmet auf, nun fasst er sich und redet weiter.

„Verwanzt? Ich? Wie sollten sie das gemacht haben, ich hätte es doch mit bekommen.“

         Der zweite Obere fährt fort.

„Der Trick an der ganzen Sache ist doch wohl, dass du es nicht mit kriegst und das ist ganz einfach. Während du schläfst fluten sie deine Zelle mit Narkosegas, dann holen sie dich, nehmen die Operation vor und legen dich zurück in deine Zelle. Sie sind so gut, dass sie dich operieren können ohne dass du hinterher die Wunde findest. Du kriegst von all dem nicht einmal etwas mit aber sie haben ihr Ziel erreicht. Nun musst du nur noch wieder zurück auf die Raumstation und dann hören sie all deine Gespräche mit. Bei jeder Einsatzbesprechung wären sie dabei gewesen und hätten immer gewusst, wo es hingeht. Sie hätten zu jedem unserer Zielpunkte Verstärkung schicken können und unseren gesamten Angriff zunichte machen können. Zum Glück wurdest du nicht mehr eingesetzt und hast den Film gedreht. So wurden wir auf die aufmerksam, wegen deiner Lügen. Dann haben wir uns gefragt, wieso du wirklich entkommen bist und mussten feststellen, dass du entkommen solltest. Verstehst du jetzt? Sie benutzen dich, jetzt in diesem Augenblick. Warte, ich will ihnen ein paar Worte sagen: Ihr verdammten Borbohnen, ihr stinkendes Pack, wir werden euch bekämpfen solange bis wir gewonnen haben. Wir wollen keine Freundschaft mit euch, wir wollen eure Niederlage, wir wollen die Territorien für uns allein. Seht es ein, dass der Kampf für euch verloren ist und zieht euch zurück. Verstanden?“

         Wieder die Stimme in seinem Kopf:

„Gut gemacht Volgat. Sie scheinen dir zu glauben, dann wird nichts mehr schief gehen. Sie werden dich untersuchen lassen, hätten wir das gewusst hätten wir dir noch eine Wanze eingebaut, die sie finden können. Nun ist es aber zu spät. Es muss halt so gehen.“

         Volgat wird einen Moment lang von zwei Seiten gleichzeitig voll gequatscht, dann besinnt er sich wieder.

„Oberster, ist es wirklich klug, sich dann mit mir zu treffen? Ich meine, wenn sie das nun alles hören, es wäre doch undenkbar, was sie nun an Informationen erhalten.“

„Du irrst dich. Sie erhalten gar keine Informationen. Vermutlich sind sie nicht einmal hier um das mit zu hören. Wir haben zumindest keines ihrer Schiffe ausfindig machen können. Ich habe also mit niemanden geredet. Sie haben vermutlich kein Interesse mehr an dir, du befindest dich nicht mehr auf der Raumstation und beschaffst ihnen nicht die Informationen, die sie wollen. Wozu sollten sie dir ein Schiff hinterher schicken um dich aus zu horchen? Aber um auf Nummer sicher zu gehen werden wir dich unseren besten Ärzten übergeben. Sie werden dich genau untersuchen und sie werden die Wanze schon finden, sei dir sicher. Wenn sie die Wanze dann entfernt haben wirst du zu dem Kreis der Obersten geführt. Du wirst uns allen deine wahre Geschichte erzählen, ausführlich. Dein Film hat uns nämlich alle sehr amüsiert. Es ist uns fast so, als ob du für unsere Propaganda arbeiten würdest. Daher kommt unser Interesse für die wahre Geschichte.“

„Der Kreis der Obersten? Wie kann ich mir das vorstellen?“

„Das werde ich dir jetzt nicht erklären, sie hören vielleicht zu. Eigentlich habe ich schon zuviel gesagt. Du wirst es sehen, wenn es soweit ist. Last uns nun zurück zu den Limousinen gehen. Die Rückfahrt wird eine Weile dauern. Halte dich morgen bereit, wir lassen dich abholen. Unsere Ärzte befinden sich bereits in dem örtlichen Krankenhaus.“

         Sie gehen wieder zu den Limousinen zurück, Volgat steigt zu dem Agenten ein. Dieser sieht ihn fragend an.

„Wie ist es gelaufen? Was wollten sie von dir?“

„Ich wüsste nicht, was dich das angeht. Du bist doch nur ein Agent, du bist es nicht würdig, das zu wissen.“

         Volgat hat diese Worte absichtlich gewählt. Er kann nun die Wut in dem Gesicht des Mannes sehen und das ist eine Genugtuung für ihn.

„Was sagst du da? Hör mir mal zu, es ist ein hohes Privileg ein Agent für interne Angelegenheiten zu sein. Das wird nicht einfach jeder, der da ankommt, nein, dafür sucht man sich die Leute aus. Und ich bin einer dieser Erwählten und meine Aufgabe ist es über das Geschehen bescheid zu wissen. Also erzähl mir nun, was hat es ergeben, was wollen sie von dir?“

„Nein, ich werde es dir nicht erzählen. Sie dir lieber noch einmal meinen Film an. Vielleicht wirst du davon schlauer.“

         Der Agent ist wütend. Sein Job ist es Dinge zu wissen und nun kann er seinen Wissensdurst nicht stillen. Aber Volgat bleibt hart, er redet nicht mehr mit diesem Mann. Sie schweigen sich nun vier Stunden lang an, dann ist Volgat wieder daheim. Es ist bereits abends. Xilin öffnet ihm die Tür.

„Wie war es? Was waren das für Leute? Komm schon, erzähl es mir.“

„Las mich doch erst einmal rein kommen. Mensch Xilin, du bist ja ganz aufgeregt. Das war alles halb so wild, wirklich. Die zwei der Obersten waren ganz normale Menschen. Sie trugen einen feinen Anzug, teure Schuhe und waren ein wenig gestielt, ungefähr 50 waren sie. Sie kümmern sich halt um unsere Belange. Sie sorgen dafür, dass immer genug Space H für alle da ist. Was soll ich dir schon gross erzählen.“

„Und was wollten sie von dir?“

„Sie wollten mit mir über meinen Film reden. Sie sind recht beeindruckt davon und wollten sich mit mir bekannt machen. Ich soll bald wieder zu ihnen aber vorher soll ich mich noch im Krankenhaus checken lassen, reine Routine.“

„Was? Du sollst sie wieder treffen? Ist das wahr? Man Volgat, das ist vielleicht dein ganz grosser Durchbruch. Wenn die merken, was für ein Mann du bist, was alles in dir steckt meine ich, dann werden sie dir bestimmt irgendwo eine hohe Position anbieten. Dann bist du nicht mehr der kleine Kiffer, den ich mit durchziehe, dann bist du ein gemachter Mann und kannst mich mit durch ziehen. Volgat, das wäre doch zu schön um wahr zu sein.“

„Sicher, ein hoher Posten irgendwo wäre schon was tolles. Dann bräuchte ich immerhin nicht mehr ein Schauspieler zu sein. Obwohl, so schlecht ist das auch nicht. Immerhin kann ich dann mit gutaussehenden Schauspielerinnen ins Bett.“

         Er lacht auf, als sie ihn spielerisch schlägt. Sie hört das nicht gerne.

„Du hast gefälligst nur mit mir im Bett zu liegen, verstanden? Erzähl weiter.“

„Nun, du wirst überrascht sein, der Agent hatte bereits meinen Film, er war aber noch unvollständig. Ich habe ihn mir auf der Fahrt ansehen dürfen. Die Obersten haben ihn wie gesagt auch schon gesehen. Der Film ist gelungen. Er stellt mich wirklich gut dar, wie ich meine Freundin liebe meine ich.“

         Sie schlägt wieder zu, dieses mal fester.

„Ja, ist ja schon gut. Nein, der Film ist gut gemacht. Es kommt gut hervor, wie ich abgeschossen werde und durch den Djungel irre. Es ist beeindruckend zu sehen, wie die Kommunisten mich dann foltern. Du wirst von dem Film ganz angetan sein. Ist vielleicht nicht ganz deine Richtung aber immerhin zeigt er, was ich erlebt habe.“

         Er lügt sie zwar mit jedem Wort an, er hat das niemals erlebt aber das gehört mit zu seiner Kulisse. Er kann ihr doch nicht einfach erklären, dass sie im Weltall gegen die Borbohnen kämpfen und er nun für diese arbeitet um die Obersten der Comunity zu töten.

 

         Volgat ist in der Nacht mehrfach aufgewacht. Er steht nun auch manchmal auf um sich um Nadjan zu kümmern, um ihr das Fläschchen zu geben. Er entlastet seine Xilin so gut er kann. Er ist ein wenig unausgeschlafen aber er hat heute auch nichts Grosses vor. Er muss nur zu den Ärzten und die werden nichts finden, die Stimme hat es ihm gesagt. Wenn sie die Apparatur erkennen könnten, die er nun anstelle seines Auges trägt, es wäre undenkbar. Sie würden sie ihm entfernen und zurück würde seine lehre Augenhöhle bleiben. Er möchte Xilin so entstellt nicht entgegen treten. Diese wiegt gerade Nadjan wieder in den Schlaf, da geht die Türklingel. Es ist der Fahrer, heute ist es eine normale Limousine, in der er gefahren wird und keine Stretch Limo. Die Fahrt zum Krankenhaus ist auch nicht lang, 10 Minuten, dann sind sie da. Volgat steigt aus, eine Schwester kommt ihm entgegen.

„Hallo, du bist Volgat? Wir erwarten dich bereits, komm bitte mit.“

         Volgat gehorcht. Er hat nun doch ein Kribbeln in der Magengegend. Wie werden sie ihn wohl untersuchen? Rektal vielleicht? Immerhin schieben sie einem die Sonden bei jedem guten Sci-fi Film in den Hintern. Da hätte er keine Lust dazu aber es wird sich schon zeigen, wie schlimm es wird. Er muss noch kurz in einem Wartezimmer Platz nehmen, dann wird er in ein Besprechungszimmer gebeten. Ein Arzt mittleren Alters begrüßt ihn.

„Hallo Volgat. Wir sind hier unter uns. Ich weiß über die Raumstation bescheid, ich bin dort schon angestellt gewesen. Also gut, die Borbohnen haben dich also absichtlich fliehen lassen. Dieses läst den Rückschluss zu, dass du verwanzt bist und heute geht es nun darum, diese Wanze zu finden und zu entfernen. Vorab, sie werden dir die Wanze nicht in den Arsch geschoben haben. Sie haben sie vielleicht an einem deiner Ohren angebracht und einen Kontakt zu deinem Trommelfell hergestellt. Vielleicht haben sie dir die Wanze aber auch unter die Bauchdecke geschoben, das würde dann aber keine gute Klangqualität werden. Also gut, ich will mir zuerst deine Ohren einmal genauer ansehen. Das wird nicht weh tun, noch nicht.“

         Volgat schluckt. Nun geht es also los. Der Arzt sieht ihm lange in das linke, dann in das rechte Ohr. Er sieht ihn nachdenklich an.

„Nein, leider nicht. Das wäre schön gewesen, wenn sie es uns so einfach gemacht hätten. Bist du dir dessen bewusst, dass dein körperinterner Stromkreis die Wanze auflädt, so dass sie genügend Elektrizität hat um zu senden?“

„Nein, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Aber ich werde dadurch doch nicht beeinträchtigt?“

„Nein, ich denke nicht. Also gut. Dann wollen wir uns einmal deine Bauchdecke genauer ansehen. Wir arbeiten mit Ultraschall, wie bei Schwangerschaften. Du hast es bestimmt schon gesehen.“

„Ja, ich glaube schon.“

„Gut, dann entkleide bitte deinen Oberkörper und lege dich da hin. Dann kann es auch schon los gehen.“

         Volgat gehorcht. Schon liegt er auf der Liege und der Arzt trägt ihm das Gelee auf und prüft seine Magengegend mit dem Sensor. Er sieht unentwegt auf den Monitor und sucht nach etwas. Volgat wird neugierig.

„Und? Etwas gefunden?“

         Wozu fragt er eigentlich. Natürlich hat der Mann nichts finden können.

„Es ist seltsam. Auch hier befindet sich definitief keine Wanze. Haben sie dir das Gerät vielleicht in den Muskel geimpft? Sag, hast du irgendwann auf dem feindlichen Schiff einen Schmerz in deinen Muskeln ausmachen können? Hast du vielleicht einen Einstich gefunden, der von einer dicken Nadel stammen könnte?“

„Nein, das habe ich nicht. Aber vielleicht habe ich einfach keine Wanze.“

„Das kann nicht sein, sie muss da sein. Sie haben dich nicht grundlos entkommen lassen, ganz bestimmt nicht. Es war von ihnen vermutlich nicht beabsichtigt, dass du die Position ihres Zerstörers preisgegeben hast aber sie haben dich nicht absichtlich entkommen lassen. Zieh dich bis auf die Unterhose aus, ich werde deinen ganzen Körper absuchen müssen.“

         Volgat gehorcht wieder. Nun sucht der Arzt gründlicher nach der Wanze. Mit dem Ultraschall bearbeitet er seine Arme und Beine, er müht sich wirklich. Volgat hingegen denkt sich, dass es gut ist, dass sie nicht auf die Idee gekommen sind, dass eines seiner Augen ausgetauscht sein könnte. Dann würden sie die Wanze vielleicht doch erkennen können und dann wäre er mit seinem Auftrag auf sich allein gestellt. Es dauert drei Stunden, der Arzt verzweifelt an ihm. Volgat wiederholt es noch einmal.

„Dr., wenn ich nun aber gar nicht verwanzt bin, dann kannst du auch keine Wanze finden. Das würde es doch erklären.“

„Aber wieso haben sie dich dann entkommen lassen?“

„Vielleicht hatten sie keine Verwendung für einen Mann, der nicht mit ihnen kooperiert. Vielleicht war es auch doch ein Zufall, dass ich entkommen bin. Immerhin konnten sie doch nicht wissen, dass ich mich eines Kampfjägers bemächtige und dann fliehe.“

„Unterschätze niemals unseren Feind. Die Borbohnen sind gerissener als wie es unsere Propaganda wahr haben will. Also gut, ich kann keine Wanze finden, ich gebe auf. Ich werde den Obersten melden, dass du nicht verwanzt gewesen bist. Ich bin gespannt, wie sie darauf reagieren werden. Sie werden es vielleicht nicht glauben wollen aber was soll ich machen, ich werde sie nicht anlügen.“

         Der Arzt entlässt Volgat. Dieser ist froh es endlich geschafft zu haben. Er wird daheim erst einmal duschen müssen um die eingetrocknete Gleitpaste herunter zu waschen. Vor der Tür wartet tatsächlich noch seine Limousine auf ihn und bringt ihn wieder zurück.

         Xilin arbeitet gerade in der Küche, Volgat nimmt sich eine Limo.

„Und? Bist du gesund oder muss ich mich auf deinen baldigen Tod einstellen?“

„Bestell das Grab noch nicht, Xilin, das kann noch dauern. Ich scheine Gesund zu sein. Ich muss jetzt aber erst einmal duschen, die haben mich wirklich überall angefasst und sich absolut alles angesehen. Vermutlich war das der eigentliche Grund für die Untersuchung.“

         Xilin lacht.

„Nicht, dass du nun ein Trauma davon zurück behältst.“

         Volgat springt schnell unter die Dusche und wäscht sich. Die Stimme in seinem Kopf ertönt.

„Das ist ja noch mal gut gegangen. Zum Glück hat er deine Augen nicht untersucht. Es hätte sein können, dass es ihm dann doch aufgefallen wäre und dann wäre unser ganzer Plan ins Wasser gefallen. Dann hätten wir uns wieder etwas Neues einfallen lassen müssen.“

         Volgat ist geschockt.

„Was, sie hätten es doch feststellen können? Was soll das denn jetzt heissen?“

„Damit du die Ruhe bewarst mussten wir dir doch erklären, dass sie es nicht feststellen können. Meinst du nicht, dass du sonst aufgefallen wärst? So ist doch alles gut gegangen und wenn sie es festgestellt hätten, dann wärst du der Überraschte gewesen.“

„Die hätten mir das Auge raus genommen und ich wäre entstellt gewesen.“

         Die Stimme schweigt. Volgat ist fertig mit Duschen. Das war nun ein Dämpfer. Zu seiner eigenen Sicherheit lügen sie ihn also an. Gut, das ist immerhin ein guter Grund dazu aber er ist doch irgendwie enttäuscht. Er geht lieber wieder runter in die Küche. Xilin ist gerade fertig mit kochen.

„Ich wusste nicht, dass du so früh wieder kommst, es wird ein wenig knapp werden. Wir müssen uns eine Scheibe Brot dazu machen.“

„Kein Problem, Xilin. Du weist doch, dass ich mit allem zufrieden bin, was ich von dir bekomme. Las uns essen, ich habe Hunger.

         Beim Essen denkt Volgat immer wieder darüber nach, dass der Arzt ihn erwischen hätte können. Dass die Borbohnen das nicht mit einkalkuliert haben, sie hätten doch in Betracht ziehen müssen, dass sie mit ihrer Geschichte zu seiner Flucht nicht ganz durchkommen werden. Sie hätten ihm eine zusätzliche Wanze einbauen müssen um die eigentliche Wanze zu schützen. Das ist nun nur mit Glück gut gegangen. Wenn dieser Arzt sich seine Augen genauer angesehen hätte, er wäre überführt gewesen und hätte sein Wissen dann nur leugnen können. Aber es ist gut gegangen und das ist die Hauptsache. Xilin unterbricht seine Gedanken abrupt.

„Volgat, ich habe nach gedacht. Das kann so nicht weiter gehen. Wir verbringen die Abende daheim bei Nadjan und kommen nicht mehr raus. Wir sind aber beide noch jung, wir sollten auf Partys gehen, wir sollten uns amüsieren.“

„Sicher aber willst du die kleine alleine lassen oder mit nehmen? Es wird nicht gehen.“

„Verdammt, es wird gehen. Wir nehmen uns einen Babysitter und basta. Wir gehen heute Abend schick essen und dann noch ins Kino und danach noch in ein Lokal. Was denkst du? Wir lassen es richtig spät werden und tun so, als ob wir kein Kind hätten. Also?“

„Ja gut, wenn du meinst. Mit einem Babysitter wird das schon gehen. Das kommt zwar überraschend aber wir können morgen ja auch ausschlafen, ich meine, wenn Nadjan uns läst. Also gut, wir gehen feiern.“

         Volgat versteht Xilin nur zu gut. Sie sind sonst oft unterwegs gewesen und nun, wo er wieder zurück gekehrt ist bleiben sie immer daheim um sich um die kleine zu kümmern. Irgendwann reichts einem dann auch und dann muss mal wieder ein wenig gefeiert werden. Heute ist es dann halt soweit. Volgat hat ja schon geduscht, gegen Abend zieht er sich fein an. Xilin hat bereits den Tisch reserviert, abends bestellt sie das Taxi. Sie fahren zusammen zu dem Gasthaus in die Innenstadt. Hier ist es etwas exklusiver als woanders. An der Tür werden sie von einem Ober empfangen, der sie auch sogleich zu ihrem Tisch führt. Zuerst bestellen sie sich etwas zu trinken, dann lassen sie sich die Karte geben. Volgat vertieft sich in die Karte, ein Lachen schallt durch den Raum. Xilin dreht sich um und wird sogar blass. Volgat sieht auch in die Richtung, der Mann an dem einen Tisch kommt ihm so bekannt vor.

„Was ist los, Xilin, stimmt irgendetwas nicht?“

„Dort drüben, siehst du nicht, es ist Hopgad. Verdammt, ich will ihm nicht begegnen. Er ist so ein Egoistenschwein.“

„Stimmt, das ist Hopgad, wie konnte ich ihn nur vergessen. Ich werde mal mit ihm reden.“

         Volgat legt die Karte beiseite und will aufstehen. Xilin greift erschrocken nach seiner Hand und hält ihn fest.

„Volgat, was willst du machen? Du kannst doch mit diesem Idioten nicht auch noch reden. Ignorier ihn einfach. Wir essen schnell und sind dann wieder weg.“

„Las mich gehen, Xilin, ich habe mit diesem Mann zu reden.“

         Volgat befreit sich von ihrer Hand und geht zu dem Tisch rüber. Hopgad sitzt mit einer hübsch geschminkten Brünetten am Tisch und scheint sich zu amüsieren.

„Hallo Hopgad, du erkennst mich vielleicht nicht sofort, ich wusste zuerst auch nicht, wer du bist. Ich bin der Freund von Xilin. Weist du noch, sie ist das Mädchen, welches dein Kind ausgetragen hat. Sie ist zu dir gekommen und wollte wissen, ob du für sie und dein Kind empfindest und du wolltest nichts von ihr wissen. Ich wollte dir nur sagen, dass du der grösste Idiot bist den ich kenne. Möchtest du mir dazu irgendetwas entgegnen?“

         Hopgad blickt ihn entsetzt an, er blickt die junge Frau an, dann wieder ihn. Nun wendet er sich an den Ober.

„Ober, der Mann belästigt mich, ich kenne ihn nicht einmal. Schicken sie ihn bitte fort oder ich sehe mich gezwungen das Lokal zu verlassen.“

         Der Ober kommt herbei.

„Ich bitte sie, guter Mann, lassen sie den Herren in ruhe speisen.“

„Sie sitzt übrigens da drüben und will dich nicht mehr sehen, ich übrigens auch nicht. Geh ruhig, wir werden dich nicht vermissen.“

         Der Ober spricht nun mit ernsterer Stimme.

„Junger Mann, ich muss doch bitten. Lassen sie bitte die Gäste in frieden speisen. Dasselbe erwarten sie doch auch.“

         Volgat muss grinsen und wendet sich an den Ober.

„Und eine geschwängerte Frau erwartet nicht sitzen gelassen zu werden. Aber gut, ich werden diesen Idioten nun wieder in Ruhe lassen.“

         Volgat begibt sich zurück an seinen Tisch. Xilin hat ihn beobachtet, sie konnte aber nicht verstehen, was gesprochen wird.

„Volgat, was soll das? Wozu redest du mit ihm? Was willst du damit bezwecken?“

„Er soll sich wie ein Idiot vorkommen, denn er ist einer. Er hat dich sitzen gelassen. Ich würde alles für dich tun und wenn ich dann diesen Spinner sehe, dann kann ich nicht anders, dann muss ich ihm meine Meinung sagen. Ich bin aber nicht laut geworden und habe ihn nicht bedroht.“

„Volgat, dann wäre ich auch ernsthaft wütend geworden. Es ist so schon schlimm genug, mach hier bitte keine Zehne.“

„Schatz, las uns das Thema wechseln und bestellen.“

         Die Stimmung bleibt etwas gereizt. Dann aber bemerkt Volgat, wie sich die hübsche brünette Dame von Hopgads Tisch entfernt und geht. Sie läst ihn alleine zurück, dann hat Volgat wenigstens etwas erreicht und ihm den Abend verdorben. Das freut ihn. Wenig später geht dann auch Hopgad ohne sie zu erblicken. Volgat freut sich, auch Xilin hat gesehen, dass dieser Mann gegangen ist und die Stimmung lockert sich wieder. Sie trinkt einen Weißwein, Volgat trinkt Limo. Er mag noch immer keinen Alkohol trinken, auch betrunkene wollen ihm nicht gefallen. Sie essen in Ruhe und geniessen es mal wieder von zuhause weg zu sein. Dann machen sie sich auf den Weg, sie gehen ins Kino. Volgat grinst sie an.

„Nur noch ein paar Wochen, Baby, dann gehen wir zusammen in meinen Film. Das wird toll, wir sehen uns beide zusammen das erste mal den gesamten Film an, ich habe ihn ja auch noch nicht ganz gesehen. Was denkst du?“

„Sicher, warum nicht. Aber die DVD kaufen wir dennoch.“

         Volgat lacht. Klar werden sie die DVD kaufen, als wenn es bei ihnen um das bischen Geld gehen würde.

 

         Volgat war schon lange nicht mehr mit Xilin aus und trotz dessen, das sie auf Hopgad gestoßen sind war der Abend gelungen. Nach dem Kino waren sie noch in einem Lokal und haben etwas getrunken und sogar noch Freunde an getroffen. Das ist jetzt aber schon wieder ein paar Tage her. Es klingelt an der Tür, sie erwarten keinen Besuch. Volgat öffnet. Der Agent steht vor der Tür. Volgat grinst ihn an.

„Immer noch auf der Suche nach Erkenntnis? Ich werde dir nicht behilflich sein können aber vergiss nicht, der Blick zum Himmel soll dich leiten, du Auserwählter.“

„Was soll das, ich bin nicht zum Spaßen hier. Wie ist es, kann ich rein kommen?“

„Gut, wenn es nicht anders geht, dann komm halt rein.“

         Sie gehen in das Wohnzimmer und setzen sich.

„Also, was ist los? Warum kommst du zu mir? Soll ich nun die Obersten treffen?“

„Ich wurde inzwischen darüber in Kentniss gesetzt, dass du verwanzt sein müsstest. Dennoch konnte bei dir keine Wanze gefunden werden. Das war uns ein Rätsel. Warum sollten dich die Borbohnen fliehen lassen, wenn sie dich vorher nicht verwanzt haben? Die Obersten wussten es sich nicht zu erklären.“

„Vielleicht haben sie meine Flucht gar nicht geplant. Vielleicht war das wirklich ein Zufall. Schon einmal daran gedacht?“

„Auch das mussten unsere Obersten nun in Erwägung ziehen. Eigentlich passt das nicht zu den Borbohnen haben sie gesagt. Aber was sollen wir machen, du bist nicht verwanzt, wir hätten die Wanze sonst gefunden. Also steht dem nichts im Wege, dass du unseren Obersten vorgeführt wirst. Das Treffen wird in der Nähe von London stattfinden. Unsere Obersten mieten sich ein mal im Jahr für drei Wochen gemeinsam in einem Hotel ein um mit einander zu reden. Sie leben auf dem Globus verstreut, es ist also eine besondere Ehre sie alle beisammen antreffen zu dürfen. Ich hoffe, dass du dir dessen auch bewusst bist.“

„Wenn du es sagst, dann wird es wohl auch so sein. Also gut, dann werde ich nach London fliegen. Wann soll es los gehen?“

„Unsere Obersten werden Anfang nächster Woche in London eintreffen. Du wirst am Freitag nach London fliegen und wirst ihnen Samstag vorgeführt. Du hast also noch ein paar Tage um dich mental darauf ein zu stellen, den mächtigsten Männern dieser Welt entgegen zu treten.“

         Die Stimme in Volgat jubelt los.

„Wir kriegen sie, wir kriegen sie alle. Volgat, du wirst den Krieg beenden und dann werden die Menschen mit den Borbohnen in Frieden leben können. Zusammen werden wir das Weltall kolonialisieren.“

         Volgat kann die Freude und die Aufregung in sich spüren.

„Gut, dann weiß ich bescheid. Hast du mir sonst noch etwas zu sagen?“

„Nein, das war’s schon. Halte dich Freitag gegen 9 Uhr bereit, dann kommt der Wagen und holt dich ab. Bis dann.“

         Der Agent geht und Volgat ist froh ihn wieder los zu sein. Er mag ihn nicht besonders, er ist so nüchternd und berechnend. Ihm fehlt es an Lebensfreude findet er. Er geht zu Xilin und teilt ihr die Neuigkeiten mit. Sie ist wieder ganz aufgeregt.

„Wirklich? Du sollst die Obersten treffen? In London? Das ist ja phantastisch. Biete dich ihnen als junger kompetenter Manager an, sie werden dir bestimmt eine aussichtsreiche Stelle anbieten. Vielleicht nicht sofort aber bestimmt nach ein paar Wochen. Ich bin ja so aufgeregt.“

„Aber Xilin, ich bin doch schon Schauspieler, was soll ich denn noch alles machen. Zuerst Soldat, dann Schauspieler und als nächstes Manager. Du verlangst viel von mir.“

„Volgat, mach mit, das ist deine grosse Chance nach oben zu kommen. Du wirst nicht nur reich, du wirst auch Einfluss haben.“

         Er sagt ihr nichts mehr dazu, er nimmt sie lieber in den Arm und gibt ihr einen Kuss. Wenn sie wüsste, was er wirklich machen wird. Er wird die Bombe irgendwo in der unmittelbaren Nähe des Hotels platzieren und dort dann verschwinden. Wenn er dort dann weg ist werden die Borbohnen die Bombe zünden und wenn ihnen nichts dazwischen kommt werden sich die Obersten gerade alle im Hotel befinden und ums Leben kommen. Dann wird sein Auftrag erfüllt sein, dann wird er es geschafft haben, der Krieg wird vorbei sein und sie können friedlich mit den Borbohnen zusammen leben.

 

         Die Tage vergehen schnell, dann ist es schon soweit. Es ist Freitags. Volgat und Xilin sind früh aufgestanden um noch ein wenig Zeit für sich zu haben. Sie haben sich beim Frühstück Zeit gelassen und reden bei der dritten Tasse Kaffe noch ein wenig. Volgat hat seinen gepackten Koffer bereit stehen und ist auf die Reise gut vorbereitet. Die Bombe sieht aus wie ein Baseball und unterscheidet sich nur im Gewicht ein wenig zu diesem. Es wird schon nicht auffallen, vermutlich werden sie ihn gar nicht genau prüfen. Dann klingelt es an der Tür. Volgat weiß, es ist der Agent, der ihn abholen kommt. Er öffnet die Tür, wie erwartet blickt ihn der Agent an, eine normale Limousine steht in der Einfahrt, der Motor läuft noch.

„Volgat, bist du bereit für diese Reise? Hast du dich mental darauf eingestellt unsere Obersten zu treffen?“

„Sicher, ich habe gepackt und bin bereit. Wir können los.“

         Xilin kommt zu seiner Seite und umarmt ihn.

„Volgat, sag ihnen das, was sie hören wollen, schleim dich bei Ihnen ein. Wenn sie mit dir sprechen, wenn sie dich empfangen, dann wartet grosses auf dich. Sie werden dich irgendwo mit einbauen, du bist noch jung, du kannst es noch bis ganz nach oben schaffen.“

„Xilin, ich muss es nicht bis ganz nach oben schaffen. Man kann sich auch mit weniger zufrieden geben und glücklich sein. Ausserdem will ich auch nicht immer den ganzen Tag arbeiten müssen, ich will auch Zeit für dich und das Kind haben. Als Schauspieler geht es mir da doch besser, ich habe oft frei und werde auch gut bezahlt.“

„Aber Volgat, gib dich doch nicht damit zufrieden, wenn dir die Welt zu Füssen liegt. Ergreife deine Chance, mach etwas daraus.“

         Der Agent wird ungeduldig.

„Volgat, wir müssen. Das Flugzeug wird nicht auf uns warten. Komm jetzt.“

         Volgat nimmt seinen Koffer, er gibt Xilin noch einen Kuss, dann läst sie seine Hand los und er geht, er steigt in den Wagen, der Agent steigt von der anderen Seite ein. Sie fahren los. Es dauert nicht lange und sie erreichen den Flughafen. Sie gehen zum check-in und lassen sich überprüfen. Volgats Koffer wird durchleuchtet, nichts auffälliges. Er wird gefilzt. In seiner Jackentasche hat er die Bombe. Unglaublich, dass sie nicht grösser als ein Baseball ist und dennoch die Kraft einer kleinen Atombombe hat denkt er sich als der Beamte die Bombe in seiner Hand wiegt.

„Sie sind wohl Sportler?“

„Nicht direkt, ist nur so ein Glücksbringer. Dieser Ball hat mir mal in einem Spiel den Sieg gebracht. Seitdem trenne ich mich nicht mehr von ihm.“

„Gut, sie sind sauber, gehen sie bitte weiter und halten sie nicht alle auf. Danke.“

         Volgat und der Agent gehen weiter. Das Flugzeug wurde bereits ausgerufen, sie lassen sich zu ihm geleiten und steigen ein. Volgat ist ein wenig nervös, er ist noch nicht oft geflogen, eigentlich nur selber im Weltall. Fliegen ist ein unbezahlbarer Luxus geworden. Die Maschinen sind nicht mehr so gross wie einst, es gibt zu wenige Passagiere, die sich die Flüge leisten können. Volgat hat Glück, er hat einen Fensterplatz. Der Agent sitzt neben ihm, sie müssen noch kurz warten, der Captain meldet sich und es geht los. Die Maschine hebt ab, in Volgats Bauch kribbelt es. Er sieht, wie der Flughafen verschwindet, die Stadt wird immer kleiner und entfernt sich. Sie steigen auf.

         Eine Weile ist vergangen, Volgat hat sich zu trinken bringen lassen und genießt die Aussicht. Aber nun ist es soweit. Sie fliegen den Flughafen an, Volgat ist irritiert, ihm scheint es so zu sein, als würde das Flugzeug sich schräg zur Landebahn nähern. Der Agent erklärt.

„Es ist sehr windig und damit wir nicht weggeweht werden fliegen wir die Landebahn schräg an. Wir fliegen ein wenig gegen den Wind um die Position zu halten. Keine Sorge, das ist ganz ungefährlich. Der Captain macht das jeden Tag so und lebt immer noch.“

         Volgat bleibt dennoch ein wenig nervös, dann kommt das Fahrwerk auf die Rollbahn auf, sie befinden sich wieder auf der sicheren Erde, alles ist gut gegangen. Sie steigen aus, sie sind in London. Der Agent geht voraus, er scheint sich aus zu kennen. Volgat folgt ihm. In dem Flughafen steht der Fahrer, er hält ein Schild und der Agent geht auf ihn zu. Sie folgen dem Fahrer zum Wagen. Nun geht es weiter. Sie fahren raus auf das Land zu dem Hotel. Es dauert eine Weile, Volgat ist erleichtert, dass das Hotel ein wenig abgelegen liegt. Seine kleine Bombe hat enorme Durchschlagskraft und er will nicht, dass bei ihrer Detonation noch 100000 Unschuldige sterben müssen. Es wird reichen, wenn es hunderte sein werden. Sie erreichen das Hotel, der Agent ermahnt Volgat noch einmal.

„Volgat, du triffst hier auf unsere Obersten, auf die mächtigsten Männer der gesamten Erde. Vergiss das nicht, sei respektvoll und höflich. Antworte, wenn du gefragt wirst und lass diese Männer ausreden. Verärgere sie nicht, ich rate es dir. Diese Männer können über dich entscheiden, sie könnten dir das Space H nehmen und dann wärst du keiner mehr von uns, du verstehst? Sie haben Macht, über mich, über dich, sie verstehen keinen Spass. Also pass genau auf und verscherze es dir hier nicht.“

„Ist gut, ich habe nicht vor, mich mit unseren Obersten an zu legen. Ich bin aber sehr gespannt darauf, weswegen sie mich haben rufen lassen.“

         Die beiden Männer gehen in die Rezession und melden sich an. Ein Portier bringt ihr Gepäck auf die Zimmer. Der Agent erklärt weiter.

„Also Volgat, pass auf: Das gesamte Hotel ist von unseren Obersten angemietet worden. Wir haben hier unsere Ruhe vor nicht Mitgliedern. Aber vergiss nicht, du bist hier nur zu Gast. Du musst dich an die Spielregeln halten. Gewisse Bereiche sind abgesperrt, sie bleiben unseren Obersten vorbehalten. Du wirst diese Bereiche nicht betreten, hast du verstanden? Du hast deine Bereiche, du hast den Zimmerservice und Telefon und Fernseher. Du kriegst also zu essen und kannst dich beschäftigen. Mein Zimmer liegt genau neben deinem. Wenn irgendetwas ist, dann kannst du dich melden. Wir werden den heutigen Tag abwarten, morgen werden sie dich dann empfangen.“

         Sie laufen durch die Flure, nun fällt es Volgat auf, hier stehen einige Sicherheitsleute herum die ihn misstrauisch mustern. Auch vor dem Hotel meint er einige Leute gesehen zu haben, die wohl zu dem Schutz der Obersten da sind. Sie erreichen die Zimmer, Volgat hat seine eigene kleine Swiet, er hat ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer und natürlich ein geräumiges Bad. Er ist nicht überrascht, er betritt das Zimmer und zwei der Sicherheitsleute treten heran um den Einganz zu bewachen. Volgat blickt sich erst einmal draussen um, er hat einen Balkon mit Aussicht auf die Landschaft. Es ist recht schön hier denkt er sich. Die Gartenanlagen sind gepflegt, das Zimmer ist sauber und dekorativ eingerichtet. Volgat geht wieder rein, er packt erst einmal seinen Koffer aus, dabei macht er den Fernseher an. Er schaltet gelangweilt durch. Sie haben den deutschsprachigen Nachrichtensender. Es kommt gerade ein Bericht über den Krieg in Mittelamerika. Volgat ist interessiert, auch wenn er weiß, dass alle Nachrichten, die von dort kommen überarbeitet werden. Der Moderator vor Ort interviewt einige Soldaten. Diese sehen angespannt aus. Sie berichten von ihren Manövern, von den Kämpfen im Urwald. Die Männer berichten vom Feindkontakt, sie erzählen von gefallenen und verwundeten Kameraden. Diese Männer kommen tagtäglich mit dem Feind an vorderster Front in Kontakt denkt Volgat sich, es sind Elitesoldaten der Sonic Comunity. Sie haben eine hochmoderne Ausrüstung, sie sind geschult und hoch motiviert den Feind zu erwischen. Dieser hat ein paar Sturmgewehre, eine alte Uniform und schläft im Freien oder in herunter gekommenen Baracken. Dennoch kann dieser kommunistische Gegner den haushoch überlegenen Elitesoldaten gefährlich werden, dennoch sind Verluste zu beklagen. Das wird zwar nicht betont aber Volgat sieht etwas durch die Kulisse hindurch. Der Feind kämpft mit einem Bruchteil an Ausrüstung und kann im Urwald dennoch nicht vernichtend getroffen werden. Es ist Volgat sogar zu Ohren gekommen, dass es den Kommunisten sogar an Munition mangelt und die Patronen nur abgezählt ausgegeben werden. Unter solchen Bedingungen würden die Elitetruppen der Comunity gar nicht mehr antreten, sie würden sich dem Feind ergeben und der Krieg wäre verloren. Volgat vertieft sich in den Fernsehbericht. Dieser Krieg in Mittelamerika ist wirklich das Spiegelbild zu dem Krieg gegen die Borbohnen. Unabhängig zu dem, wie viel Aufwand sie auch in diesen Krieg stecken, sie werden ihn nicht gewinnen. Und wenn sie nicht noch mehr Material für diese sinnlose Schlacht bereit stellen, dann haben sie verloren und das können sie nicht ertragen. Also werden weiterhin Resurcen bereit gestellt, nur um weiter kämpfen zu können, nur um noch nicht jetzt verloren zu haben. Das alles ist doch aussichtslos denkt Volgat sich. Er fragt sich, ob sein Attentat dann auch den Krieg in Mittelamerika gegen die Kommunisten beenden wird. Auch dieser Krieg geht von der Sonic Comunity aus.

         Volgat hat sich das Bad einmal genauer angesehen und bemerkt, dass er eine Wirlpoolwanne hat. Er und Xilin verfügen über diesen Luxus nicht. Also beschließt Volgat, die Wanne einmal aus zu probieren. Er läst Wasser ein, zieht sich aus und setzt sich in die Wanne, er schaltet den Whirlpool an. Die Luftblasen massieren ihm sanft die Haut, er kann sich richtig gut entspannen. Dann aber klopft es an der Badezimmertür, Volgat stöhnt auf, was soll das denn jetzt? Aber gut, er steht aus der Wanne auf und schlüpft in den bereit gehaltenen Bademantel. Er öffnet die Tür, der Agent steht vor der Tür.

„Man, hat das nicht noch Zeit, ich nehme gerade ein Bad.“

„Volgat, du bist hier Gast der Obersten, das allein hat Vorrang. Ich habe gerade mit ihrem Sprecher Rücksprache gehalten. Du sollst dich morgen gegen zehn Uhr bereit halten, sie werden dich dann empfangen und mit dir reden. Vergiss nicht, was ich dir gesagt habe. Ich weiß zwar auch nicht, warum sie dich hier her bestellt haben aber es wird schon seinen Sinn haben. Sie werden es dir schon erklären. Also gut Volgat, du weist bescheid, halte dich morgen früh bereit.“

„Das hätte doch nun wirklich noch ein, zwei Stunden Zeit gehabt, oder? Also gut, ich halte mich morgen früh bereit. War’s das?“

„Ja, das war’s schon.“

         Der Agent geht und Volgat setzt sich wieder in die Wanne. Das gute an dieser Wanne ist, dass sie die Luft erwärmt, so dass das Wasser nicht so schnell auskühlt.

                  

         Volgat hat den Zimmerservice gerufen, sie haben ihm Frühstück gebracht. Es ist ein britisches Frühstück gewesen, gebratener Speck mit Eiern, dazu Tost mit Kochschinken und ein Glas Orangensaft zu dem Kaffe. Volgat hat alles angewidert angesehen, er ist doch gerade erst aufgestanden, er hat den Tost gegessen aber die Eier und den Speck hat er liegen gelassen. Das ist so früh noch nichts für ihn. Er hat wieder den Fernseher eingeschaltet, die Nachrichten laufen. Die Sonic Comunity hat eine Aktiengesellschaft für Atomstrom übernommen. Das Geschäft muss laufen denkt Volgat sich, die Comunity expandiert und das obwohl sie Milliarden in den Krieg investieren. Die Sonic Comunity ist nicht mehr nur ein Wirtschaftskonzern, die Comunity strebt nach Land, sie wollen ihr eigenes Reich haben. Sie wollen die Wirtschaft zur Politik machen und somit die Demokratie ablösen. Die Comunity strebt die Wirtschaftsdiktatur an, ein neues noch nie dagewesenes System. Natürlich wird das nicht öffentlich aus gesprochen aber Volgat weiß, dass es so ist. Alles spricht dafür, die Comunity versucht sich immer mehr Macht an zu eignen, sie führen Kriege um Ländereien, sie schlucken Konzerne, sie bestechen die Politiker, sie kaufen sich ihren Absatz in der ganzen Welt.

         Volgat verfolgt noch immer die Nachrichten, da klopft es an der Tür. Es ist dieser widerliche Agent, es fehlt nur noch, dass er Johnson heißt denkt Volgat sich. So heißt im Amerikanischen Fernsehen doch jeder zweite Agent.

„Volgat, bist du bereit? Können wir gehen?“

„Sicher, ich bin ausgeruht, gewaschen, angezogen und gefrühstückt habe ich auch schon. Wir können los.“

„Dann folge mir. Ich bringe dich in den Besprechungsraum.“

         Volgat folgt den Agenten über die Flure, Wachleute begleiten sie. Sie scheinen ihm nicht ganz trauen zu wollen und das mit gutem Grund denkt Volgat sich. Sie erreichen den Besprechungssaal. Volgat wird gebeten ein zu treten, der Agent öffnet ihm die Tür. Volgat ist ein wenig flau zumute, was erwartet ihn nun? Er tritt ein. In dem Raum stehen Tische zu einem Halbkreis angereiht, in diesem Halbkreis steht ein Stuhl. An dem runden Tisch sitzen einige meist ältere Männer die ihn nun alle anblicken, sie schweigen. Hinter Volgat schliesst sich die Tür. Die Stimme erscheint in Volgats Kopf.

„Das sind sie nun also, das sind die Obersten der Sonic Comunity. Volgat, wir haben unser Ziel erreicht. Wenn diese Männer erst einmal tot sind, dann wird es zwischen den Borbohnen und den Menschen endlich Frieden geben. Bleib nun ganz ruhig, rede mit ihnen, hab bloß keine Angst vor ihnen.“

         Die Obersten blicken Volgat einen Moment lang schweigend an, dann erhebt der mitlerste von ihnen das Wort.

„Volgat, nun bist du her gekommen um vor uns zu reden, um uns Rede und Antwort zu stehen. Wir hier, wir sind die Obersten der Sonic Comunity. Die wichtigsten Entscheidungen treffen wir. Jeder von uns hat seinen Zuständigkeitsbereich aber die wirklich wichtigen Dinge entscheiden wir alle gemeinsam. Mein Name ist Paeblos. Ich bin der Oberste der Obersten. Ich bin es, der hier mit dir redet. Es hat seinen Grund, weswegen du heute hier bist. Es ist dein Film, den du auf der Raumstation gedreht hast, du erinnerst dich? Wir haben diesen Film gesehen, er ist sehr beeindruckend, wirklich. Aber sprich nun du, sag uns etwas zu dem Film, wie ist es dazu gekommen, dass du ihn gedreht hast?“

         Volgat hatte sich schon so etwas gedacht, es geht um seine Geschichte bei den Borbohnen. Es geht um seine Geschichte, wie er sie im Film erzählt, was natürlich alles frei erfunden ist. Aber was soll er ihnen denn nun erzählen? Soll er hier nun weiter lügen oder die Wahrheit erzählen? Er weiß jetzt nicht, was angebracht wäre.

„Nun ja, der Film, was soll ich dazu sagen? Dieser Film ist dokumentarisch, ihr versteht? Das ist wirklich passiert, ich wurde von den Borbohnen gefangen genommen und konnte fliehen. Ja, äh, es ist so gewesen, dass die Reporterin Anjet mich dazu bewegt hat diesen Film zu drehen. Ich meine, warum auch nicht, ich will nicht mehr an der Front kämpfen müssen. Schauspieler zu sein kann doch ganz ertragreich sein, oder nicht?“

„Um auf das was du gerade eben gesagt hast ein zu gehen: Du behauptest also, dass dieser Film dokumentarisch ist? Der Film spiegelt nur das wieder, was wirklich passiert ist?“

„Nun ja, so in etwa schon.“

         Einer der Obersten steht auf, er schlägt mit der Faust auf den Tisch.

„Lügner, du wagst es uns, die Obersten frech an zu lügen? Meinst du denn, dass wir die Borbohnen nicht kennen würden? Du bist in diesem Film doch von ihnen gefoltert worden, du behauptest also, dass das den Tatsachen entspricht? Niemals würden sie dich foltern, nein, nicht diese stinkenden Borbohnen. Wie ist es wirklich gewesen? Erzähle es uns!“

         Paeblos springt ein.

„Nun Volgat, wir haben deinen Film gesehen, der deiner Aussage nach also den Tatsachen entspricht. Dieses ist aber gelogen, dieser Film kann nicht den Tatsachen entsprechen. Wir wollen nun zum einem wissen, was wirklich passiert ist und zum anderem warum du uns alle anlügst. Erkläre uns zuerst, wie es wirklich gewesen ist.“

         Volgat merkt, wie er blass wird, es geht ihm nicht gut. Sie haben ihn durchschaut, es ist alles nur gelogen. Warum haben die Borbohnen das nicht gewusst, dass die Obersten sie kennen, warum wussten sie es nicht, dass er mit seinen Geschichten bei ihnen nicht durchkommt? Was soll er denn jetzt nur sagen? Die Stimme in seinem Kopf ertönt.

„Du kannst alles erzählen aber nicht, dass du für uns arbeitest. Wir waren nett zu dir, haben dich gut behandelt und dich frei herum laufen lassen, dann bist du geflohen. Aber du arbeitest nicht für uns, verstanden?“

         Der aufgesprungene Oberste hat sich wieder gesetzt, nun spricht einer von der anderen Seite.

„Sag Volgat, was haben sie mit dir gemacht? Haben sie dir einen Auftrag gegeben, arbeitest du nun für sie? Du kannst es uns ruhig sagen, vergiss nicht, das Space H kommt von uns, wir geben es dir. Ohne uns hättest du es nicht. Vertraue uns, wir sind deine Freunde, komm zurück zu uns und erzähle uns alles.“

         Paeblos schaltet sich wieder ein.

„Jetzt last ihn doch erst einmal reden, last ihn doch erst einmal erzählen, was da vorgefallen ist. Wir werden die Wahrheit schon ans Licht bringen. Also los Volgat, wir warten.“

         Volgat räuspert sich. Wie soll er das jetzt nur durch stehen?

„Also gut. Es ist nicht so gewesen, wie ich es allen geschildert habe, es war anders. Als ich abgestürzt bin, da bin ich in das Dickicht um mich vor dem Feind zu verstecken, sie haben mich aber doch gefunden und dann gefangen genommen, mich und meinen Freund Hardy. Sie haben mich und ihn aber nicht geschlagen oder andersweitig misshandelt. Sie haben uns eigentlich recht gut behandelt. Wir wurden dann zur Sicherheit an Bord eines Zerstörers gebracht und in einer Zelle gefangen gehalten. Sie haben dann mit mir geredet, mit mir und Hardy.“

         Volgat macht eine Pause, die Stimme ist wieder da.

„Wir wollten, dass du für uns die Raumstation in die Luft sprengst um den Krieg ein für alle mal zu beenden. Das bringt dich aus allem raus, vertraue uns. Gib jetzt bloß nicht auf.“

„Sie haben mit mir und Hardy geredet, es ist auch nicht so, wie ich den beiden Obersten zuerst gesagt habe, Hardy liess nicht mit sich reden. Er hat in den Borbohnen nur seinen Feind gesehen und war zu keinen Gesprächen bereit. Ich war aber ein wenig anders. Ich habe mir angehört, was sie zu sagen hatten. Deswegen wurde ich schon bald von Hardy getrennt, sie haben ihn sogar vom Schiff geschafft.“

         Wieder springt der Oberste auf.

„Was zum Teufel wollten sie denn von dir? Rücks schon raus.“

         Volgat zögert kurz bevor er weiter spricht.

„Nun, sie wollten, dass ich die Raumstation sabotiere. Sie wollten, dass ich sie zerstöre. Ich aber wollte das nicht, ich hätte mein Leben dafür opfern müssen und das wäre zu weit gegangen.“

         Paeblos springt nun selber von seinem Stuhl auf.

„Die Raumstation zerstören sagst du? Unmöglich, das würden sie nicht wollen, wir würden alle dabei umkommen, das ist nicht die Natur der Borbohnen. Wie solltest du es machen, sag es uns?“

         Volgat atmet erst einmal durch, er spricht nun einfach der Stimme nach.

„Sie wollten mich frei lassen, ich wäre dann zur Raumstation zurück gekommen und hätte einige Hackercodes gehabt. Mit diesen hätte ich mich in das System einhäcken können um den Energiekern zu überlasten. Dieser wäre dann detoniert und hätte die Raumstation zerrissen. Die ganze Station wäre dann zerstört gewesen und alle einschließlich ich wären gestorben.“

„Haben sie deine Hirnströme genommen? Sie haben dir angeboten, dich dann wieder zum leben zu erwecken, oder nicht?“

„Ja sicher, Paeblos, das haben sie. Sie haben mir eine wirre Geschichte davon erzählt, dass sie meinen Körper klonen würden um mich dann wieder zum leben zu erwecken. Aber das habe ich natürlich nicht geglaubt, so etwas kann es nicht geben. Die Borbohnen wären dann doch unsterblich, oder nicht? Das gibt es aber nicht und ich lasse mir so etwas nicht erklären um dann bei einem Selbstmordkommando um zu kommen.“

         Wieder die Stimme.

„Gut so Volgat. Du hast die Situation im Griff, sie glauben es dir, du kommst da wieder raus. Wir vertrauen dir.“

         Paeblos setzt sich wieder.

„Du hast ihnen also nicht vertraut, gut so. Das war natürlich eine Geschichte, so etwas haben sie bereits schon einmal versucht, sie haben einen verunglückten wieder zum leben erweckt haben sie gesagt. Sie haben den Mann einfach geklont und der Klon hat sich dann als diese Person ausgegeben. Aber wir sind nicht auf diese Märchen herein gefallen, nicht wir. Gut gemacht, Volgat. Du hast die Raumstation also nicht sabotiert. Aber sprich, was sollen das für Häckercodes gewesen sein?“

         Volgat weiß nicht weiter, er fühlt sich nicht gut, er stottert kurz. Die Stimme kommt und hilft ihm.

„Volgat, wir haben die Raumstation doch mit den Menschen zusammen gebaut. Erzähle ihnen, dass wir geheime Codes einprogrammiert haben, mit denen wir die Kontrolle über die Station gewinnen können wenn wir die Station invasieren würden. Natürlich gibt es auch einen Selbstzerstörungsmechanismus.“

„Nun ja, die Borbohnen haben doch beim Bau der Raumstation mit gewirkt. Und da haben sie gewisse Codes einprogrammiert. Wenn sie die Station invasieren würden könnten sie diese einfach übernehmen. Sie könnten über die Computeranlagen an jeder Stelle der Station die Kontrolle übernehmen. Und wenn das nicht klappt, dann hätten sie immer noch einen Selbstzerstörungsmechanismus. Sie können die Station dann in die Luft jagen. Und genau diese Codes hätten sie mir mit gegeben, damit ich die Station zerstören kann. Aber ich wollte das nicht tun, ich will nicht, dass all diese Leute sterben müssen.“

         Paeblos wendet sich an die anderen Obersten.

„Meint ihr nicht auch, dass das etwas unglaubwürdig klingt? Die Borbohnen sollen zu dem Zeitpunkt des Baus der Raumstation bereits an eine Invasion von dieser gedacht haben? Sie haben uns zu diesem Zeitpunkt bereits misstraut? Das glaube ich nicht, die sind doch total naiv und haben uns alles geglaubt. Warum hätten sie so etwas tun sollen?“

         Einer der Obersten, der bislang geschwiegen hat meldet sich zu Wort.

„Du hast recht, Paeblos. Das passt nicht zu ihnen. Sie haben auf den Frieden gebaut, sie haben an uns geglaubt. Warum sollten sie uns misstraut haben? Sie sind so blauäugig, der Mann lügt, diese Codes existieren nicht. Es ist alles ein Lüge, er versucht uns etwas zu verheimlichen.“

         Volgat unterdrückt seine aufsteigende Panik. Er muss das wieder rum reissen.

„Aber wenn ich es euch doch sage, diese Codes existieren. Sie haben mir auch selber erzählt, dass sie damals dachten, dass das eine völlig überflüssige Vorsichtsmassnahme wäre. Sie haben das nur so gemacht, weil es diese Codes bei ihnen überall gibt. Es gibt diese Codes auch für die Zerstörer. Es geht ihnen dabei darum ihre Waffen für den Fall der Fälle kampflos zerstören zu können. Ihr müsst mir glauben, ich lüge euch doch nicht an, ich lüge doch meine Obersten nicht an.“

         Paeblos denkt nach.

„Du sagst, dass es diese Codes bei den Borbohnen überall gibt? In ihren Bodenstationen, in ihren Kriegsschiffen, in ihren Raumstationen? Das ist mir neu. Sie haben uns das noch nie gegenüber erwähnt und wir meinten, dass sie keine Geheimnisse vor uns gehabt haben. Aber vielleicht irren wir ja doch und du sprichst die Wahrheit. Wir können aber nicht ausser acht lassen, dass du lügst und uns irgendetwas verheimlichst. Wir trauen dir nicht, mein Freund. So einfach ist das jetzt nicht, da wieder heraus zu kommen.“

         Einer der anderen spricht.

„Du hast recht Paeblos. Vielleicht spricht er die Wahrheit, vielleicht auch nicht. Wir können ihm nicht trauen. Wir dürfen nun aber nicht ausser acht lassen, dass die Borbohnen diese Codes für unsere Raumstation haben. Sie müssten die Station nur an einer beliebigen Stelle infiltrieren um sich zu den Computersystemen Zugang zu verschaffen. Dann könnten sie die gesamten Sicherheitsmassnahmen gegen uns verwenden, sie würden die Türen nach belieben verriegeln, unsere Comandostation vom Hauptcomputer abtrennen, sie würden die Gefechtstürme ausschalten, sie könnten alles machen. Und wenn es ihnen dann immer noch nicht möglich wäre, die Station zu übernehmen, dann könnten sie diese in die Luft jagen. Das ist eine Katastrophe. Wir müssen unsere besten Hacker in der Raumstation einsetzen um die Systeme zu prüfen. Wir müssen unsere Systeme gegen solch einen Übergriff schützen. Es wäre nicht aus zu denken, wenn wir die Raumstation verlieren würden, der Krieg wäre für uns dann verloren.“

„So ist es. Aber lassen wir unseren Gast doch weiter berichten. Du hast dich also auf die Gastfreundschaft der Borbohnen eingelassen und durftest dich auf ihrem Zerstörer frei bewegen? Berichte uns davon.“

„Also gut. Ich war zuerst noch mit Hardy in einer Zelle eingesperrt. Dann fingen sie an mit uns zu reden und ich habe mir das alles angehört, Hardy aber nicht. Er hat sie angegriffen und hat mich einen Verräter genannt. Sie haben mich von ihm getrennt und ihn sogar vom Schiff gebracht. Ich weiß nicht, was dann mit ihm geschehen ist. Ich aber habe ein besseres Zimmer bekommen und wurde besser behandelt. Sie wollten sich bei mir einschleimen, das habe ich schnell bemerkt. Sie haben meine Gehirnströme gemessen, dann haben sie mir offenbart, dass ich die Raumstation zerstören soll. Ich war von dieser Idee wenig angetan, immerhin gehöre ich doch selber zur Sonic Comunity. Ich kann mich doch nicht gegen sie wenden, ich kann doch nicht meiner eigenen Familie schaden. Also habe ich energisch abgelehnt und sie haben weiter auf mich eingeredet. Sie haben mir alles erdenkliche versprochen und mich immer weiter bearbeitet. Es fing an ungemütlich zu werden und so habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, wie ich von dort weg kommen kann und ich habe nur eine Möglichkeit gesehen. Ich habe mich also zum Hangar geschlichen um einen Raumflieger zu besteigen. Als dann eine Patroulie wieder kam bin ich geflohen. Ich war so schnell im Hyperdrive, die werden gerade erst realisiert haben, was überhaupt passiert ist. So bin ich wieder zur Raumstation zurück gekehrt. Die Borbohnen haben mich so gefrustet, dass ich sofort die Position von ihrem Zerstörer durch gegeben habe. Dieser wurde anschließend vernichtet. Aber ich habe auch ihre Karten studieren können, so konnte ich dem Geheimdienst noch mitteilen, wo sich ihre Stellungen befinden. Würde ich das etwa machen, wenn ich auf der Seite der Borbohnen stehen würde? Niemals würde ich sie dann verraten, denkt doch mal nach.“

         Die Stimme erscheint wieder.

„Sehr gut Volgat. Jetzt hast du sie ausgestochen, jetzt können sie an deiner Geschichte nichts mehr machen. Sie müssen dir nun glauben.“

         Paeblos denkt kurz nach, die anderen Oberen sehen ihn gespannt an.

„Das stimmt. Wenn du nicht auf unserer Seite stehen würdest, dann würdest du die Borbohnen wohl kaum verraten haben. Deine Informationen sollen sehr Hilfreich gewesen sein, wir konnten ihnen einen mächtigen Schlag versetzen. Aber berichte weiter. Wie kommst du dazu allen zu erzählen, dass sie dich gefoltert haben? Deine ganze Geschichte ist doch lediglich erlogen. Wieso hast du das gemacht? Wieso hast du nicht einfach die Wahrheit erzählt?“

         Volgat zögert. Wieso hat er sie alle angelogen? Die Stimme muss ihm helfen.

„Du hast ihnen nur das erzählt, was sie alle hören wollten. Keiner wollte hören, dass wir dich gut behandelt haben. Alle wollen uns nur hassen und du hast ihnen das gegeben, was sie wollten.“

         Das klingt vernünftig denkt Volgat sich. Nun muss er es nur noch rüber bringen.

„Also, das ist so, dass unsere Propaganda uns immer so negativ über die Borbohnen berichtet hat. Da kann ich doch nicht daher kommen und sagen, dass sie mich gut behandelt haben, das würde doch keiner hören wollen. Ich habe beschlossen genau das zu erzählen, was alle hören wollen. Alle wollen hören, dass die Borbohnen schlecht sind, dass sie uns foltern und quälen. Sie stinken und sind unzivilisierte Wilde. Das wollen alle hören und ich habe genau das erzählt. Alle waren zufrieden damit, alle fühlten sich in ihrem Kampf gegen die Borbohnen bestätigt. Was daran soll nun also falsch gewesen sein? Ich habe mich doch nur mit meiner Geschichte auf unsere Propaganda ein gestellt. Ich wollte den Leuten doch auch nicht erzählen müssen, dass die Borbohnen durch die kleinste Infiltration die gesamte Kontrolle über die Station übernehmen können ohne dass wir uns dagegen wehren können. So ist es doch für alle besser gewesen.“

„Nun, du hättest wenigstens unserem Geheimdienst diese Wahrheit erzählen können, für den Fall, dass das die Wahrheit ist. Aber im grunde genommen hast du recht. Es ist manchmal besser, den Leuten das zu erzählen, was sie hören wollen. Aber weist du, was du wirklich hättest tun müssen? Du hättest zum Schein annehmen müssen, du hättest uns die Codes gebracht und wir hätten sie deaktivieren können. Damit hättest du uns dann auch sehr geholfen. Aber egal. Wer weiß, vielleicht ist das ja auch alles gelogen und du verheimlichst uns etwas. Wir werden beide Seiten nicht ausser acht lassen. Vielleicht sagst du die Wahrheit, vielleicht aber auch nicht. Hast du noch irgendetwas zu ergänzen?“

         Volgat überlegt, hat er noch etwas zu ergänzen? Es wäre besser, noch irgendetwas zu sagen.

„Wir sollten auch Gefangene nehmen um Hardy frei zu pressen. Wir müssen ihn aus der Gefangenschaft befreien, er hat es nicht verdient bei den stinkenden Borbohnen leben zu müssen. Bitte tut etwas um meinem Freund zu helfen.“

„Volgat, dein Freund Hardy ist uns relativ egal. Hier geht es um einen ganzen Krieg, hier geht es darum, ob wir oder die gewinnen. Was interessiert uns da ein Mann? Auf deinen Freund Hardy können wir verzichten, wir haben ihn ersetzt. Aber nun zu dir. Wir haben deine beiden Filme gesehen. Den einen hast du selber erlebt, zwar nicht so, wie du es dargestellt hast aber immerhin. Der andere Film dagegen ist frei erfunden aber das stört uns nicht denn dieser Film passt ganz wunderbar in unsere Propaganda. Diese beiden Filme sind dir gut gelungen, du hast dich als Schauspieler bewärt. Man kann richtig erkennen, dass es dir damit ernst ist gegen unsere Feinde zu arbeiten. Beide Filme sind also mehr oder weniger frei erfunden aber das stört uns wie gesagt nicht. Sie ergänzen unsere Propaganda hervorragend. Aus diesem Aspekt müssen wir uns sogar bei dir bedanken. Es wäre ja nicht auszudenken, was los wäre, wenn du unsere Feinde nach deiner Gefangenschaft bei ihnen positiv darstellen würdest. Ich und meine Freunde werden uns nun beraten. Du kannst erst einmal wieder in deine Swite gehen. Einen angenehmen Tag noch.“

         Volgat schluckt. Das war es also nun. Er hat es geschafft, irgendwie hat er es geschafft, das hofft er zumindest. Sie trauen ihm zwar immer noch nicht wirklich aber sie ziehen es in Erwägung, dass es alles so ist, wie er es ihnen erklärt hat. Er steht auf und begibt sich zur Tür. Vor dieser wartet der Agent auf ihn, er blickt ihn fragend an aber schweigt, er bringt ihn unter Bewachung zurück zu seiner Swite. Volgat ist alleine, er hat seine Ruhe. Dieses ganze Gespräch hat ihn doch mehr gemartert als er erwartet hat. Er musste sein Lügengetürm immer weiter ausbauen und das gefällt ihm nicht. Das alles muss jetzt durchgestanden werden, das weiß er aber er ist froh, wenn er das endlich hinter sich hat. Er ist froh, wenn er wieder in Germanien ist und die Bombe detoniert ist. Da hört er die Stimme wieder.

„Gut gemacht Volgat. Du hast uns nicht enttäuscht. Das hätte jetzt nicht jeder geschafft. Du hast den Obersten gegenüber gestanden, du hast mit ihnen geredet. Wir wissen nun, dass sie hier sind. Nun kommt der nächste Schritt. Du musst die Bombe platzieren. Du brauchst dich gar nicht aus deiner Swite heraus zu bewegen. Die Bombe könnte auch im Garten liegen, sie würde genügen um von dem Hotel nur einen Krater über zu lassen. Wir haben lange überlegt. Plaziere die Bombe im Badezimmer. An der Decke ist ein Abzugsstutzen, dahinter wird sich ein Rohrlüfter befinden. Nimm ihn heraus und platziere die Bombe hinter ihm. Danach kannst du alles wieder versiegeln. Wir haben uns den Abzug bereits angesehen. Es müsste alles unproblematisch verlaufen. Du darfst aber während deiner Arbeit niemanden auf das Badezimmer lassen. Also los, beginne.“

         Also gut, die Stimme wird schon wohl recht haben. Er nimmt sich die Bombe und ist immer noch fassungslos, dass solch ein kleiner Gegenstand eine solche Zerstörungskraft haben soll. Er geht auf das Badezimmer, da ist auch schon der Dunstabzug. Er stellt sich vorsichtig auf die Toilette und versucht das Gitter von der Wand zu nehmen. Es klemmt etwas. Er hat ein Taschenmesser dabei, mit der Klinge hebelt er unter das Gitter und kann es lösen. Es ist nur aufgesteckt. Dahinter befindet sich tatsächlich der kleine Lüfter, dieser läuft wenn er das Licht an hat. Er stellt es schnell aus, der Lüfter arbeitet mit einer Verzögerung, er wartet ab. Dann endlich geht er aus. Es ist tatsächlich ein Rohrlüfter, der in einer PVC Röhre liegt. Er greift ihn und kann ihn heraus ziehen. Volgat zuckt zusammen, es klopft an der Tür, wer kann das nun sein? Panik steigt in Volgat auf, er läst den Lüfter am Kabel hängen und geht aus dem Badezimmer in den Wohnbereich und öffnet die Tür, es ist der Agent, was kann er nur wollen?

„Was ist?“

„Ich will mit dir reden. Also was ist, kann ich rein kommen?“

„Kann das nicht warten? Ich will mich von dem Gespräch mit den Obersten erst einmal erholen.“

„Nein, ich komme jetzt herein und wir reden.“

„Also gut, wenn es sein muss.“

         Er läst den Agenten herein, dieser setzt sich unaufgefordert. Volgat will höflich sein.

„Darf ich etwas aus der Hausbar anbieten? Einen Whisky vielleicht?“

„Nein danke, ich trinke nicht. Ich habe es mir vorhin verkniffen aber ich finde, dass wir dennoch reden sollten. Du hast also mit den Obersten geredet. Was wollen sie von dir? Was an dir ist so wichtig, dass sie sich mit dir befassen? Es hat etwas mit deiner Verschleppung durch die Borbohnen zu tun, oder? Tu jetzt bloß nicht so, ich bin nicht blöde. Also raus damit, warum bist du hier?“

         Volgat will mit diesem Mann nicht reden, er will ihn loswerden. Er wird ihm erst einmal Kontra geben.

„Ich wüsste nicht, was dich das angeht. Das sind interne Gespräche zwischen mir und den Oberen. Ich glaube nicht, dass es in ihrem Interesse ist, dass ich mit dir darüber rede.“

„Hör mir mal zu: Ich bin hier einer der wichtigsten Männer im Geheimdienst. Es ist mein Job von Sachen zu wissen, die mich nichts angehen. Für mich ist alles interessant und du wirst mir jetzt erzählen, weswegen sie dich sehen wollen. Also los.“

„Und wenn nicht? Was dann? Schliesst du dann meine Hoden an eine Autobatterie?“

„An für sich ist das eine sehr gute Idee aber das geht leider nicht, solange du sozusagen unter dem Schutz der Obersten stehst. Ansonsten würde ich dich mit in den Verhörtrakt in unserem geheimen Hauptgebäude nehmen und dich gefügig machen. Du würdest mir alles erzählen, alles was ich wissen will. Also reize mich bitte nicht, die Obersten werden nicht lange Interesse an dir haben und dann, dann werde ich da sein und dich mit nehmen.“

„Du drohst mir also. Das ist wirklich nicht nett. Was machst du, wenn ich den Obersten davon berichte? Werden sie von deiner Neugierde angetan sein?“

„Das wirst du nicht wagen. Ich werde einen Weg finden an dich heran zu kommen und dich für alles bezahlen lassen.“

         Volgat denkt kurz nach bevor er weiter redet.

„Belassen wir es doch dabei, dass ich dir nicht erzähle, warum die Obersten mit mir reden wollen. Du wirst es nicht von mir erfahren und du wirst mich auch nicht in deine Finger kriegen. Ich stehe unter dem Schutz der Obersten und es würde ihnen nicht gefallen, wenn du dich an mir vergehen würdest. Geh jetzt.“

„Nein, erzähl mir erst, warum du hier bist. Ich will es wissen. Also los jetzt.“

         Volgat denkt nach. Er kann ihm doch einfach ein paar Brocken vorwerfen und dann muss er sich damit zufrieden geben. Also gut.

„Nun, eigentlich geht es ja um nichts. Es ist so, dass ich der erste Mensch bin, der aus Borbohnischer Gefangenschaft entkommen ist. Das interessiert unsere Obersten halt. Sie wollen alles über unseren Feind wissen. Ausserdem sind sie sehr davon beeindruckt, dass ich so viele wertvolle Informationen hatte. Unsere Obersten wollten sich das alles von mir persönlich erzählen lassen. Sie wollen alles ganz genau wissen. Aber ich kann ihnen nicht wirklich viel über die Borbohnen erzählen. Sie hielten mich gefangen, ich verstehe ihre Sprache nicht und sie haben mich nur gefoltert. Reicht dir das oder ist dir das jetzt zu ungenau gewesen?“

„Berichte mir genauer davon. Sie wollen dich sehen, weil du ihnen aus deiner Gefangenschaft berichten kannst? Ich habe die Berichte gelesen. Die Borbohnen waren etwas unvorsichtig mit dir, sie haben nicht damit gerechnet, dass du fliehen könntest.“

„Ja, sie haben mich mit auf die Brücke genommen, ich konnte Kartenmaterial einsehen, das nicht für meine Augen bestimmt war. Sie haben mich bis zur Bewusstlosigkeit gemartert und einfach unbeaufsichtigt liegen gelassen, dann bin ich aufgewacht und geflohen. Es war nur Glück, dass es geklappt hat.“

„Und was genau interessiert unsere Obersten nun an deiner Geschichte? Ich meine, sie können doch auch alles den Akten entnehmen.“

„Es scheint mir so zu sein, dass sie mich einfach gerne persönlich kennen lernen wollten. Sie wollten sich die ganze Geschichte aus meinem Mund anhören, das ist alles. Was soll ich dir dazu noch erzählen? Ich habe doch bereits alles dem Geheimdienst auf der Raumstation erzählt und du hast die Akten gesehen. Es steht alles da drinnen.“

„Ich habe mir die Akten genau angesehen. Ich finde es schon bemerkenswert, dass es dir gelungen ist aus deiner Gefangenschaft zu fliehen. Da habe ich mich gefragt, ob es vielleicht beabsichtigt war, dass du fliehst. Sieh mal, du bist vor deiner Gefangenschaft nicht gerade ein Freund unserer Mission gewesen, du hast dem Krieg kritisch gegenüber gestanden. Kann es nun also sein, dass du mit den Borbohnen gemeinsame Sache machst und nun für sie arbeitest? Ist ja nur so ein Gedanke aber verheimlichst du mir nicht irgendetwas?“

         Volgat zuckt zusammen. Wieso will der Agent ihm seine Geschichte nicht abnehmen? Was hat er nur falsch gemacht, warum kann er ihn nicht überzeugen? Er gibt sich schockiert.

„Was? Ich ein Agent der Borbohnen? Wie kannst du mir nur so etwas unterstellen? Sie haben mich gefoltert, mich erniedrigt und gequält. Gut, ich habe meine Zweifel an dem Krieg gehabt aber nun habe ich die Borbohnen kennen gelernt und ich musste feststellen, dass sie verachtungswürdige Kreaturen sind, die nur den Tod verdient haben. Sie sind unkultiviert und stinken. Sie sind grausam und unzivilisiert. Unser Krieg gegen sie ist gerecht und wir werden siegen.“

„Wenn du etwas zu verheimlichen hättest, mein Freund, dann würdest du genau so reagieren, verstehst du? Was soll ich nun also glauben? Soll ich auf deine Worte oder doch besser auf mein Mistrauen hören? Volgat, ich bin Agent, einer der besten. Mistrauen gehört zu meinem Beruf und dir, dir werde ich nicht trauen. Verstehst du? Ich weiß es zwar nicht genau, ich weiß auch nicht, was dein Auftrag sein könnte aber es behagt mir nicht, dich in die unmittelbare Nähe unserer Obersten zu lassen. Es wäre nicht aus zu denken, wenn du ein erfolgreiches Attentat auf einen von ihnen durchführen würdest. Aber eines will ich dir mit auf den Weg geben: Wenn du zu den Borbohnen gehörst und damit auffliegst, dann werde ich dir ganz langsam deine Haut vom Leib ziehen, ganz langsam, hast du verstanden?“

         Volgat nickt. Endlich, der Agent scheint genug geredet zu haben, er steht auf und geht. Volgat zuckt zusammen, der Agent geht zum Bad.

„Moment, was willst du auf meinem Bad?“

„Was wohl, ich muss mal. Du entschuldigst?“

         Volgat kann sich nicht mehr vor die Tür stellen, der Agent geht einfach auf das Bad, dann kommt er zurück.

„Weswegen baust du den Lüfter aus? Was hat das auf sich?“

         Volgat fängt an blass zu werden, was soll er denn jetzt nur sagen? Die Stimme in seinem Kopf ertönt.

„Der Lüfter hat gerappelt, er lief unregelmäßig. Sag es.“

„Nun, der Lüfter hat halt gerappelt, er lief nicht regelmässig. Irgendetwas hat nicht gestimmt, da hab ich mir gedacht, dass ich mal nachsehen kann.“

„Aber jetzt läuft der Lüfter doch ganz ruhig. Wolltest du das Bad etwa verwanzen?“

„Sag ihm, dass seine Fantasie durchgeht.“

„Deine Fantasie geht mit dir durch. Warum sollte ich denn das Bad hier verwanzen wollen? Soll ich jemandem beim Furzen abhören?“

„Du hast recht, das ergibt keinen Sinn. Also gut, ich werd dann mal pinkeln. Du entschuldigst.“

         Der Agent gibt sich damit zufrieden, zum Glück hat er nicht gesehen, wie Volgat blass geworden ist. Volgat wartet, die Tür vom Bad geht wieder auf und der Agent geht, endlich. Volgat ist erleichtert, dass er endlich weg ist. Dieses Gespräch hat ihn wirklich gemartert. Er wäre jetzt am liebsten bei Xilin und würde sie in den Arm nehmen und sich an ihrem Duft erfreuen. Da hört er wieder die Stimme in seinem Kopf.

„Verdammt, das mit dem Lüfter können wir jetzt vergessen. Volgat, bau ihn wieder ein. Wir müssen uns etwas Neues ausdenken. Wir haben in deiner Swite sonst kein geeignetes Versteck. Wenn der Lüfter wieder eingebaut ist wirst du anfragen, ob du einen Sparziergang in den Parkanlagen machen kannst. Du wirst die Bombe in die Büsche werfen müssen, so, dass man sie nicht mehr entdecken kann. Also los jetzt.“

         Also gut, Volgat geht in das Bad und baut den Ablüfter wieder ein. Nach zwei Minuten ist er fertig. Er geht zu dem Telefon und bittet beim Empfangschef darum einen Sparziergang machen zu dürfen. Volgat darf sich nicht frei bewegen, ihm wird erklärt, dass jemand kommt und ihn abholt. Volgat wartet, es dauert ein wenig. Die Bombe hat er sicher in seiner Jackentasche versteckt. Sie fällt nicht weiter auf. Endlich klopft es an der Tür, Volgat öffnet. Er zuckt ein wenig zusammen, es ist der Agent mit zwei Sicherheitsleuten.

„Du möchtest einen Sparziergang machen? Wir werden dich begleiten.“

         Volgat flucht innerlich. Ausgerechnet dieser verdammte Agent.

„Sicher will ich einen Sparziergang machen aber ich möchte gerne alleine gehen und ungestört sein.“

„Das wird nicht gehen. Du könntest dich mit einer Kontaktperson treffen und Informationen austauschen. Ich werde dich begleiten. Also los jetzt, gehen wir.“

         Volgat seufzt auf. Das macht ihm nun einen Strich durch die Rechnung aber vielleicht kann er sich doch kurz von den anderen absetzen. Er folgt dem Agenten über den Flur hinunter zum Ausgang. Sie gehen in den kleinen Park, es ist hier recht hübsch, die Grünflächen sind geschnitten, die Beete gehegt, es stehen Bänke bereit um sich setzen zu können. Volgat läuft mit dem Agenten auf einer Höhe, die beiden Sicherheitsbeamten folgen ihnen. Volgat will es noch einmal versuchen.

„Weist du, ich mag dich nicht, um es anders zu formulieren, du bist wirklich ein Stück Scheisse. Ich möchte lieber alleine eine Runde drehen. Sieh mal, ich wusste doch nicht einmal, wohin es geht. Wie soll ich mich da mit einem Kontaktmann absprechen können? Das ist doch total hirnrissig. Also komm schon, las mich hier im Park einen Augenblick alleine. Ich will etwas entspannen, das geht nicht, wenn du dabei bist.“

„Das ist dein Problem. Ich werde hier bei dir bleiben und auf alles aufpassen. Ich werde dir gar nicht erst die Möglichkeit bieten uns zu hintergehen. Also, laufen wir noch ein Stück oder bist du fertig?“

„Wir laufen noch ein Stück.“

         Volgat läst sich Zeit, immer wieder hält er an und sieht sich die Blumen und Sträucher an. Das Schöne daran ist, dass kleine Schilder den Namen und die Herkunft der Gewächse verraten. Volgat ist innerlich total angespannt, nach außen hin aber ruhig. Er wartet auf eine Gelegenheit aber der Agent weicht nicht von seiner Seite. Endlich, die Stimme ertönt und sagt ihm, was er machen soll.

„Volgat, das wird nichts. Du kannst die Bombe nicht in die Sträucher werfen, während er neben dir steht. Das können wir vergessen. Beende deinen Sparziergang und begib dich wieder in deine Swite. Wir haben einen anderen Ausweg gefunden. Vergewissere dich beim reingehen, dass du ungestört sein wirst.“

         Also gut, damit ist der Sparziergang beendet denkt Volgat sich. Er ist gespannt, wo er die Bombe anstelle dessen deponieren soll.

„Ich bin soweit, wir können wieder rein.“

„Gut, mir ist auch schon langweilig. Ich bringe dich zu deiner Swite.“

„Aber hör mal, ich möchte heute Abend gerne ungestört bleiben. Ich möchte nicht, dass du wieder in meine Swite kommst und mich störst. Verstanden?“

„Verstanden. Du wirst deine Ruhe haben. Bereite dich darauf vor, dass die Oberen dich morgen wieder sprechen wollen.“

         Volgat wird zurück in seine Swite gebracht. Die Wachen werden vor seiner Tür aufpassen aber in der Swite ist Volgat ungestört. Er ist gespannt, wie es weiter gehen soll. Er wartet auf die Stimme, er muss sich nicht lange gedulden.

„Volgat, siehst du den Fikus? Er steht in Blähton. Nimm dir nun eine Schale, grabe den Blähton aus und vergrabe die Bombe in dem Blumenkübel. Die Blähtonkugeln werden mit Wurzeln umsponnen sein, nutze dein Messer und schneide den Blähton heraus.“

         Volgat stutzt, das ist eine gute Idee, er wäre da nie drauf gekommen. Aber gut, so wird es nun gemacht. Er holt sich eine kleine Schüssel und beginnt den Blähton ab zu tragen. Nach einigen cm beginnen die Wurzeln damit die Tonkugeln zu umklammern. Er schneidet sie nun heraus. Es klappt alles gut, er kommt gut voran. Nun ist es soweit, er nimmt die Bombe und legt sie in das Loch. Schnell schüttet er es wieder zu, das Loch ist nun unkenntlich gemacht worden. Er hat einige Blähtonkugeln über gehalten. Die Stimme erscheint wieder.

„Wickle die über gebliebenen Kugeln in Toilettenpapier ein und spül sie runter. Wenn sie weg sind kann keiner mehr Verdacht schöpfen. Beeil dich bevor der Agent doch noch rein kommt.“

         Gut, so wird es gemacht. Volgat geht mit den restlichen Kugeln auf das Bad und wickelt sie in Toilettenpapier ein. Nun spült er sie runter. Sie verschwinden alle im Lokus auf nimmer wieder sehen denkt er sich. Er macht die Schale sauber und stellt sie an ihren Platz zurück. Nun ist es vollbracht, er muss nur noch abwarten. Er muss morgen noch einmal mit den Obersten reden aber das wird er schon überstehen. Er hofft, dass er dann wieder zurück nach Hause darf und diesen widerlichen Agenten ein für alle mal los sein wird. Jetzt macht Volgat erst einmal den Fernseher an und bestellt beim Service etwas zum Essen, es ist bereits abends und er hat Hunger.

 

         Der Wecker dröhnt, Volgat stellt ihn aus. Es ist soweit, er muss aufstehen. Heute wird er noch einmal mit den Obersten reden und dann wird es vorbei sein, das hofft er. Und wenn nicht, die Borbohnen werden die Bombe erst dann zünden, wenn er sich wieder in Sicherheit befindet. Für die Borbohnen wäre es einfacher die Bombe einfach sofort zu zünden, dann wäre er tot aber wäre das für die Borbohnen schlimm? Sie hätten ihr Ziel erreicht und könnten eine neue Ära des Friedens einleiten. Volgat hat schon darüber nachgedacht, ob er den Borbohnen trauen kann, ob sie die Bombe vielleicht doch schon zünden, wenn er noch da ist. Aber was bleibt ihm über? Er hat zugesagt es zu machen, nun muss er ihnen auch vertrauen. Ausserdem hätten die Borbohnen die Bombe dann schon gestern zünden können. Sie haben es nicht getan, sie werden es auch nicht tun, solange sich Volgat noch im Hotel befindet, zumindest hofft er das. Aber er sollte da vielleicht gar nicht drüber nachdenken. Wenn sie die Bombe zünden sollten, dann wird alles so schnell gehen, dass er es gar nicht mehr merken wird. Er wird einfach pulverisiert und das war es dann. Volgat ist in diesen Gedanken versunken und bestellt sein Frühstück.

„Hallo, ja, ich hätte nun gerne Frühstück aber nicht wieder Speck mit Eiern, da kommt mir das Kotzen. Ich will Brötchen mit Honig und Marmelade, ein grosses Glas O-Saft und ein Kännchen Kaffe. Kriegt ihr das hin? Gut, dann beeilt euch.“

         Das Frühstück wird Volgat wenig später auf das Zimmer gebracht. Heute gefällt es ihm schon besser. Frisch aufgebackene Brötchen, frischer Saft, er setzt sich an den Tisch und läst es sich erst einmal gut gehen. Er frühstückt in aller Ruhe und läst den Fernseher dabei laufen. Das Öl ist wieder teurer geworden, es gibt kaum noch welches und man kann gar nicht genug Raps anbauen um den Bedarf zu decken. Aber die meisten Autos fahren inzwischen mit Strom, sie haben halt nicht ganz die Kraft wie ein herkömmliches Auto aber immerhin fahren diese Geräte aus ein gutes Stück. Aber das alles ist Volgat in diesem Moment ziemlich egal und dieses ist auch der Moment, in dem es an seiner Tür klopft. Er stöhnt auf, geht es schon wieder los? Also gut, er steht auf und geht zur Tür. Der Agent steht da, er blickt ihn aussagelos an.

„Bist du fertig? Unsere Obersten wollen dich sehen.“

„Gut, ich stell eben den Fernseher aus, dann können wir.“

         Volgat leert noch seinen O-Saft und kommt zur Tür. Der Agent begleitet ihn wieder zu dem Konferenzzimmer, in dem die Obersten bereits warten. Volgat wird herein gebeten. Paeblos sitzt wieder in der Mitte des Halbkreises, es ist wieder dasselbe Bild wie am Vortag. Volgat nimmt in dem Halbkreis platz, sie blicken ihn wieder alle so berechnend an. Paeblos begrüßt ihn nun.

„Guten morgen Volgat. Wie du ja weist haben wir uns gestern nach unserer Unterredung mit dir noch lange beraten, wie wir nun verfahren sollen. Wir können halt nicht ausschließen, dass es da doch etwas gibt, das du uns verheimlichst. Aber zugegebener Weise wüsten wir nur einen Grund, weswegen du uns etwas verheimlichen könntest. Du würdest dann für die Borbohnen arbeiten. Also müssen wir auch dieses in Betracht ziehen. Theoretisch wäre es möglich, dass du für die Borbohnen arbeitest. Aber praktisch gesehen stellt sich dann die Frage, was dein Auftrag ist. Dein Auftrag würde wohl kaum darin bestehen ein paar Filme zu drehen. Ausserdem hast du die Borbohnen in dem Film ja auch so dargestellt, wie wir uns das wünschen. Aber gut. Wir können es halt nicht 100% ausschließen, dass du für die Borbohnen arbeitest. Dieses bedeutet nun, dass wir dir auch nicht richtig vertrauen können, du verstehst?“

         Volgat ist ein wenig irritiert. Was soll das nun alles, worauf läuft das Gespräch hier heraus?

„Aber wenn ich es euch doch sage: Ich arbeite nicht für die Borbohnen. Das sind doch nur stinkende unzivilisierte Bastarde. Ich verachte diese Kreaturen zutiefst. Nachdem ich sie gesehen habe will ich, dass wir diesen Krieg gewinnen und die Borbohnen zurück drängen. Ich will für die Sonic Comunity die Vormachtstellung im Weltall. Wie kann ich es euch denn beweisen, dass ich die Wahrheit spreche?“

         Einer der anderen Obersten ergreift das Wort.

„Das kannst du gar nicht beweisen. Die Zeit wird es zeigen, wie es um dich steht. Solange werden wir dich beobachten. Wir werden dich weiterhin als Schauspieler einsetzen, unbegabt bist du ja nicht. Aber wir werden dir nicht trauen. Du wirst einen Posten einnehmen, auf dem du keinen Schaden anrichten kannst. Du wirst keine Macht haben, du hast nichts zu melden. Du hast nur nach Drehbuch ein paar Filme zu drehen und ansonsten kannst du deine Zeit totschlagen. Wir haben beschlossen, dass uns allen damit am besten gedient sein wird. Dich aus überzogener Vorsicht zu beseitigen erscheint uns in anbetracht dessen, dass deine Geschichte vermutlich stimmen wird für unangemessen. Das ist dein Glück, junger Freund, sonst würden wir jetzt nicht mehr mit dir reden sondern dich im nahegelegenen Wald verscharren lassen.“

         Von der anderen Seite übernimmt einer der jüngeren Obersten.

„Richtig. So werden wir es handhaben. Du wirst als Schauspieler noch in einigen Filmen für uns mitspielen können und verdienst dabei nicht schlecht. Du brauchst dir also keine Sorgen um deine Zukunft zu machen. Wir werden es aber nicht riskieren, dass du uns vielleicht doch hintergehen würdest, wenn wir dich in eine gehobene Stellung setzen würden. Du verstehst? So sind wir sicher und für dich ist gesorgt. Alles ist also in bester Ordnung. Nimmst du unser Angebot an?“

„Wie nett, dass ihr nachfragt. Aber ist es nicht so, dass ich gar keine Wahl habe? Als ich Soldat werden sollte hatte ich auch keine Wahl. Die Sonic Comunity bestimmt über mich und ich habe mich zu fügen. Aber nur um euch zu beruhigen: Ich werde ganz gerne als Schauspieler tätig sein. Ich nehme also an.“

         Paeblo lächelt nun.

„Ich bin erfreut, wir sind zu einer Übereinkunft gekommen, mit der wir alle gut leben können. Wie du siehst sind wir hier zivilisiert. Also gut Volgat. Das war es eigentlich schon. Du bist damit entlassen und kannst wieder heim kehren. Ich hoffe, dass es kein unangenehmes Erlebnis für dich war uns hier kennen zu lernen.“

„Nun, es war ja nicht unbedingt ein Freundschaftsbesuch. Wenn einem vorgeworfen wird, mit dem Feind zu kooperieren oder man dieses in Betracht zieht ist es nicht ganz so angenehm.“

„Ja richtig. Aber wie gesagt, wir müssen nun halt einmal vorsichtig sein. Wir sind nicht grundlos die Obersten der Sonic Comunity. Also gut Volgat, wir werden uns auch deine nächsten Filme ansehen. Wir wünschen dir alles Gute.“

         Volgat atmet auf, endlich kann er gehen. Sie martern ihn nicht mehr, sie wollen ihm zwar glauben aber behalten sich vor, dass es vielleicht auch nicht so ist. Gut, damit kann er leben, da sie ihn damit leben lassen. Er verläst den Raum. Der Agent sieht ihn verwundert an.

„Schon fertig? Das ging aber schnell. Und, wie ist es gelaufen?“

„Ich werde zu einem Schauspieler der Sonic Comunity, ist doch gut, oder? Meine Filme scheinen ihnen gefallen zu haben, sie meinten, dass sie sich auch meine nächsten Filme wieder ansehen werden.“

„Gut, dann kannst du ja wieder zurück nach Germanien. Wenn die Obersten das bestätigen wirst du dich auch sofort auf den Weg machen. Ich bleibe dabei, in dir ein Sicherheitsrisiko zu sehen. Je schneller du hier weg bist, desto besser ist es für uns alle. Du wirst solange noch auf deiner Swite warten, verstanden?“

„Geht klar.“

         Volgat wird zurück auf seine Swite gebracht. Er bestellt sich noch einen Kaffe und stellt wieder den Fernseher an. Die Nachrichten langweilen ihn. Wo man auch hinsieht, es ist ja doch immer nur dasselbe denkt er sich. Er muss aber nicht lange warten, dann klopft es schon an seiner Tür. Er öffnet und erblickt den Agenten.

„Die Obersten haben es mir gerade bestätigt. Sie sind mit dir fertig, du kannst wieder zurück nach Germanien. Ich werde dich begleiten. Also los, pack schnell deine Sachen, dann erwischen wir noch den Flug heute Nachmittag. Beeil dich.“

         Volgat packt schnell seine paar Habseligkeiten beisammen, er klaut noch ein paar Handtücher, warum auch nicht denkt er sich. Von dem Hotel wird ja eh nur Schutt und Asche über bleiben. Der Agent hat solange vor der Tür gewartet. Volgat will aber noch etwas versuche.

„Sag, du wirst mich doch nicht etwa wirklich begleiten wollen? Du wirst doch bestimmt auch hier noch gebraucht. Ich schaffe das schon alleine zurück nach Hause. Du brauchst mich nicht zu begleiten.“

„Ich bin hier gar nicht stationiert. Meine Heimat und meine Arbeit warten in Germanien auf mich. Ich komme mit.“

         Volgat flucht innerlich. Diesen Agenten würde er nur zu gerne für immer los werden. Wie er wohl reagieren wird, wenn von den Obersten nichts mehr über geblieben ist? Wird er dann nicht ihn verdächtigen, wenn er ihm ohnehin so schon nicht wirklich traut? Volgat kann es nur abwarten. Er hat keine Lust dazu mit den Methoden des Agenten vertraut gemacht zu werden.

         Mit dem Agenten und zwei Wachen verläst Volgat das Hotel. Er und der Agent steigen in eine Limousine, sie fahren zum Flughafen. Sie müssen nicht lange warten und können in den Flieger steigen. Volgat wird wieder einmal fliegen, ein Luxus, den er sich sonst nicht gönnt. Für den Agenten scheint das normal zu sein. Er sitzt neben ihm, Volgat hat wieder den Fensterplatz. Die Stimme in ihm erscheint.

„Volgat, du hast es geschafft. Die Bombe ist postiert, du befindest dich nicht mehr in der Gefahrenzone, wir können sprengen. Wir warten bis es Nachts ist, dann, wenn sie alle schlafen lassen wir sie hoch gehen. Wir befürchten, dass sie jetzt über Tag vielleicht in London sind und wir sie nicht alle erwischen. Nachts aber schlafen sie alle in ihren Zimmern, wir kriegen sie alle. Wir stehen einem Waffenstillstand kurz bevor.“

         Volgat freut sich. Es muss nun alles klappen. Er hat soviel riskiert und gemacht, es sind inzwischen Monate vergangen. Wenn es nicht klappt, dann sind die Bemühungen von bestimmt einem ganzen Jahr vertan. Das Flugzeug startet und hebt ab. Er blickt nach draussen, die Welt wird immer kleiner und schon bald darauf fliegen sie über den Wolken. Er hat Glück, der Agent macht ein Schläfchen und läst ihn somit in ruhe. Volgat versucht den Flug so gut es geht zu geniessen, er weiß nicht, wann er das nächste mal fliegen wird.

         Endlich landet das Flugzeug. Der Agent begleitet Volgat zu einer Limousine und verabschiedet sich.

„Also gut Volgat. Hier trennen sich unsere Wege. Der Fahrer bringt dich zurück. Ich werde zurück in mein Quartier. Wenn irgendetwas ist werde ich mich bei dir melden. Und ich rate dir eines: Versuche nicht uns zu hintergehen. Wenn du irgendetwas vor hast, dann werde ich es sein, der es vereitelt und dich dafür zur Rechenschaft zieht. Vergiss das nicht.“

„Schon gut und jetzt las mich in ruhe. Ich mag dich nicht.“

         Volgat steigt in die Limousine und dann geht es schon los. Er wird zu seinem Zuhause gebracht. Er steht vor der Tür und schliesst auf. Er geht durch den Flur zum Wohnzimmer, da sitzt seine Xilin und wiegt die kleine Nadja. Xilin blickt ihn erwartungsvoll an.

„Erzähl Volgat, wie ist es gelaufen? Was wollten sie von dir?“

         Volgat setzt sich erst einmal zu ihr und legt seinen Arm um sie.

„Nun, die Obersten sind Fans von meinem Film. Sie haben ihn gesehen, er hat ihnen gefallen und sie möchten, dass ich Schauspieler bleibe und noch mehr Filme drehe. Ich bleibe also ein Schauspieler.“

„Aber Volgat, hast du ihnen denn nicht erklärt, dass du dich zu höherem berufen fühlst? Hast du sie nicht nach der Position eines Managers gefragt?“

„Aber Xilin, ich bin kein Manager, so etwas habe ich noch nie gemacht. Ausserdem sind diese Berufe doch alle viel zu stressig. Man muss den ganzen Tag arbeiten und hat nichts mehr vom leben, das ist nichts für mich. Wenn ich Schauspieler bin habe ich mal ein paar Monate zu arbeiten, dann habe ich wieder ein halbes Jahr frei, als Schauspieler habe ich viel mehr Zeit für euch. Glaub mir, es ist alles gut gelaufen. Ich bleibe einfach ein Schauspieler und fertig.“

„Ach Volgat, du hast es gar nicht versucht. Verdammt und ich habe mich bereits darüber gefreut die Frau eines einflussreichen Mannes zu sein.“

„Aber Xilin, du wirst die Frau eines berühmten Mannes sein, das ist doch auch gut, oder?“

„Ja sicher. Aber es wäre besser, wenn du ein Manager geworden wärst.“

         Volgat sagt nichts mehr, er nimmt die kleine Nadjan zu sich und Xilin bereitet das Abendessen zu. Wenn sie wüste denkt er sich. Schon morgen gibt es keine Obersten der Sonic Comunity mehr, bereits heute Nacht werden sie alle sterben. Er wird dann erschrocken und bestürzt sein. Er wird sich freuen, dass er noch lebt aber wird der Agent ihm das abnehmen? Volgat befürchtet das Schlimmste. Er kann sich nun darauf einstellen zu umfassenden Verhören mit genommen zu werden. Sie werden ihm Wahrheitsdrogen spritzen und ihm den Schlaf entziehen, solange, bis er dann doch alles zugibt. Und dann, dann werden sie ihn töten. Volgat ist unwohl zumute. Werden die Borbohnen ihm in dieser Situation helfen können? Er muss es abwarten, er hat keine anderen Möglichkeiten.

         Es wird spät, die kleine schläft bereits in ihrem Kinderbett. Volgat und Xilin begeben sich auch ins Bett. Sie kuschelt sich an ihn und er streichelt ihren hübschen Körper. Er will es heute Nacht noch einmal mit ihr treiben, er will es mit ihr noch einmal gemacht haben bevor er ins ungewisse geht. Sie erwidert seine Bemühungen, sie scheint auch in Stimmung zu sein. Es dauert nicht lange und er liegt auf ihr. Sie haben Sex.

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